Bye bye Britannia, god shave the queen!


Liebe Briten,

heute erleben wir vielleicht, wie Ihr als Ur-Europäer Euch bewusst aus der EU verabschiedet. Zeit, einmal inne zu halten und nachzudenken: Was verlieren wir, wenn Ihr geht?

Zunächst mal natürlich das leckere Essen! Zerbratene Fisch-Stücke mit vor Fett triefenden Kartoffelscheiben. Das Ganze eingewickelt in Zeitungen. Was man woanders „Dreck in Altpapier“ nennen würde, das heißt bei Euch Fish `n´Chips und wird unverfroren als „Nationalgericht“ angepriesen. Und noch was: Minze tut man in den Caipirinha, aber nicht in eine Soße!

Wer so einen Müll zu sich nimmt, der muß fast zwangsläufig Alkohol nachschütten. Quizfrage: Wo befindet man sich, wenn schon morgens um halb zehn alle Bars brechend voll sind? – Auf einem Kreuzfahrtschiff, das in Southampton abgelegt hat.

Ja, Eure Trinkfreude ist schon wirklich legendär, liebe Engländer. Leider führt steigender Alkoholkonsum bei Euch auffallend oft zu Gegröhle und Prügelei. Tja, Briten, die nach dem vierten Pint ausgelassen und friedlich tanzen und singen, die heißen halt nicht Engländer, sondern die heißen Iren – eine Faustregel, die ich als alter Kreuzfahrer aus purer Erfahrung weitergeben kann.

Die Neigung zum Alkoholismus ist aber auch verständlich: Wenn man auf so einer kleinen Insel hockt… dazu noch das scheiß Wetter… da wird man schon mal absonderlich.

Aber erklärt das denn auch, warum Ihr ständig irgendeinen Dreck zusammenwählt? Weshalb Ihr seit Jahrzehnten dem Neoliberalismus fröhnt, obwohl er Euch heruntergewirtschaftet hat bis auf die Knochen? Angefangen hat das Ganze ja mit einer Frau als Premierministerin, für die das Bayerische einen herrlich sexistischen Begriff kennt: „Krampfhenne“.

Aber lassen wir die „Eiserne Lady“, sie möge in Frieden rosten.

Vielmehr müssen wir doch feststellen: Hätte der legitime Nachfolger der Krampfhenne, Euer Kriegstreiber Tony Blair, nicht fröhlich weiter Arbeitnehmerrechte beschnitten und die Finanzindustrie dereguliert… dann wäre vermutlich der olle Suffkopp aus Hannover bei uns niemals so tolldreist geworden, wie er es letztlich war.

Großartig, diese Betonung und Förderung der „Finanzbranche“, bei gleichzeitigem Wegdrängen des Staates: Jetzt habt Ihr Straßen, die >>gelegentlich mal ein Auto verschlucken, privatisierte Bahnen, die laufend entgleisen und Ambulanzen, >>deren Computer hoffnungslos veraltet und fehlerhaft sind.

Gleichzeitig leistet Ihr Euch die „City of London“, die exteritoriales Gebiet ist, eine sogenannte „zeremoniale Grafschaft“,  die eine eigene Regierung hat, bei der die Mehrheit der Stimmen nicht auf Personen entfällt, sondern auf Unternehmen und Körperschaften.

Wie praktisch, dass auf diesem größten Finanzplatz der Erde >>Britische Gesetze nicht greifen. Asoziale und Dummschwätzer handeln dort mit weitgehend virtuellen „Derivaten“ über alle Grenzen hinweg, sie manipulieren die Gold- und Silberpreise und spekulieren auf Lebensmittelknappheiten – aber kein Gericht kann sie belangen und keine Regierung ihre Geschäfte kontrollieren.

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass aber die ganzen Umsätze der „City“ dennoch in die Berechnung für das britische Bruttosozialprodukt einfließen. Damit besteht das britische BSP zu circa 25 % aus Erträgen aus weitgehend sinnloser und gemeingefährlicher Geld- hin und her Schieberei – was dazu führt, dass manche Volkswirte britische Wirtschaftsdaten für ungefähr so aufgebläht und seriös halten, wie die Zahlen der UdSSR aus den 80er Jahren.

Und, liebe Briten, wo wir schon mal bei Eliten-Hörigkeit und mangelndem Abschaffen von Privilegien sind: Was soll eigentlich dieser notorische Hang zum Neo-Feudalismus? Dieses ganze Getue um Euer „Königshaus“ hat mich ja nicht nur beim Friseur und im Arzt-Wartezimmer genervt: An der Spitze dieses Inzest-Haufens steht eine alte Schachtel, der man vor 70 Jahren einen Gesichtsausdruck in die Visage getackert hat – den sie seitdem Jahr für Jahr mit einer bleiernen „Coolness“ aufträgt.

Die Schwiegertochter von Lisbeth trägt den Namen von feuchtem Toilettenpapier und sieht aus, wie ein Pferd. Und einer der beiden Enkel ist dem Reitlehrer seiner verstorbenen Mutter, wie aus dem Gesicht geschnitten (surprise, surprise…).

Stimmung kommt eigentlich nur noch auf, wenn Prinz Mach-mir-den-Reitlehrer-Harry >>zum Moslem-Abknallen nach Afghanistan fliegt, oder er zur Abwechslung >>in Las Vegas die Hosen runterlässt.

Elisabeth zwei

Ein Lächeln, wie aus dem Baumarkt: widerstandsfähig und abwaschbar.

Wieviel Mut zur Lächerlichkeit habt Ihr eigentlich noch? Oder ist das die berühmte britische „(Niemals Selbst-)Ironie“?

Kein Volk lässt sich eine dermaßen arrogante Oberschicht mit derart versnobten Ausbeutern so lange bieten. Was habt Ihr davon? Die mieseste Verfassung Europas (außer Weißrussland vielleicht) mit Grundrechten nach Gutsherrenart, von Ihrer Majestät gnädigst gewährt. Eine superreiche Schmarotzerklasse, die im Luxus schwimmt und ein verelendetes Proletariat. Prall gefüllte Privatsafes von Multimilliardären, die kaum einen Penny Steuern zahlen, dafür eine Armada von parasitären „Steuerparadiesen“ von der Finanz-Freihandelszone „City of London“ über die Kanalinseln bis in die Karibik – leere Staatskassen, marode Straßen und desolate Krankenhäuser inklusive.

Ihr seid also quasi schon da, wo Hans-Werner Sinn und Konsorten noch hin wollen.

Tja, liebe Engländerinnen und Engländer: Wenn Ihr nun heute den Ausstieg aus der EU wählt, dann wird das ein großartiger Sieg für die noch vorhandene Demokratie sein. Und zu einem Aktien-Crash führen. Ansonsten wird es uns aber ziemlich wurscht sein.

Falls Ihr Euch doch entscheidet zu bleiben und mit uns weiter zu arbeiten… na, dann werden wir uns schon irgendwie entnervt wieder zusammen raufen. Denn Eines habe ich beim Schreiben dieses Artikels gelernt:

Wir sind uns schon viel ähnlicher, als wir es uns jemals selber zugeben würden…