Spare! Endlich richtig!


Wenn Sie dieses Blog schon ein wenig länger verfolgen, ist Ihnen sicherlich schon aufgefallen, daß ich bewußt viele der Glaubenssätze relativiere, an die wir uns in unserem Finanzsystem „einfach so“ gewöhnt haben. So betone ich beispielsweise immer wieder, daß das, was wir seit ein paar Jahrzehnten als „Geld“ bezeichnen und was wir ständig horten und kumulieren, nur wenig Beachtung und nicht den geringsten Respekt verdient (>>Haben Sie schon echtes Geld?)

Passend dazu stellte in einem Kommentar auf dieser Seite vor wenigen Tagen ein interessierter Leser folgende Fragen auf:

  • „Wieviel und wofür genau sparen? Ist es sinnvoll, für eine konkrete Anschaffung wie ein Auto oder eine Immobilie zu sparen? Sollte beim Sparen ein gewisser Zeithorizont und eine gewisse Zielsumme festgelegt werden? Oder ist Sparen insbesondere dann sinnvoll, wenn das Ziel völlig diffus ist? Wenn völlig unklar ist, wie hoch die notwendige Summe ist, und wann sie erreicht ist?“

Damit hier kein Mißverständnis aufkommt: ich bin ein glühender Verfechter des Sparens! Denn, was heißt „Sparen“ denn konkret?

Monat für Monat generieren wir alle ein gewisses Einkommen. Aber, genauer betrachtet: Erhalte wirklich „ich“ mein Einkommen? – Mitnichten. Es fließt zwar Geld, und zwar direkt zu…

  • meinem Vermieter
  • meiner Autoversicherung
  • meinem Supermarkt
  • meiner Krankenkasse
  • meiner Bank (wenn ich Zinsen zahlen muß)
  • meiner Ex-Frau (sofern vorhanden)
  • und und und…

Ein ganz großer Teil unseres Einkommens ist nichts weiter, als ein durchlaufender Posten.  Wir sehen und erleben dieses Einkommen noch nicht einmal haptisch (anfassbar, fühlbar), sondern wir nehmen es, wenn überhaupt nur hin und wieder wahr als schwarze Zahlen auf weißem Papier.

So, und wenn es denn so ist, daß ich mit dem, was ich monatlich generiere alle möglichen Leute und Institutionen bezahle, wann bin denn dann mal ICH dran? Wann bezahle ICH MICH?

Und hier kommt nun das regelmäßige Sparen ins Spiel. Wenn ich in der glücklichen Situation bin, daß nach dem Bezahlen aller möglichen Verbindlichkeiten noch ein freier Geldbetrag übrigbleibt, dann kann ich endlich mal denjenigen bezahlen, der für dieses Einkommen gerackert hat: nämlich ICH!

Das, was Sie in einem Monat sparen ist also das, was SIE SICH SELBER bezahlen! – Und, wofür soll das ganze Streben und Arbeiten schon gut sein, wenn nicht dafür, SICH SELBER zu belohnen?

Daher gilt:

  • Genießen Sie es, wenn Sie soweit sind, daß Sie sich endlich selbst bezahlen können!
  • Bezahlen Sie sich so gut wie möglich! Sie haben es sich verdient!
  • Sie sehen also: Sie können gar nicht genug sparen! Je mehr, desto besser und gerechter für Sie selber!

Nun stellt sich natürlich die Frage: Was fange ich mit dem an, was ich mir selbst bezahle?

Nun, prinzipiell gilt: Machen Sie damit, was Sie wollen und lassen Sie sich von nichts und niemandem unter Druck setzen – Es ist IHR Verdienst und über diesen bestimmen auch nur SIE SELBST!

Vielleicht sollten Sie sich mit Ihrem Verdienst etwa ganz besonders Wertvolles leisten? Und was ist das Wertvollste, was wir Menschen in unserem Leben besitzen können? Smartphones, Ferraris, Bausparverträge, Häuser, Ruhm, Ansehen bei den Nachbarn, teure Kleidung…?

Weit gefehlt. Das Wertvollste, das wir Menschen in unserem Leben besitzen ist schlicht und einfach:

ZEIT

Wie wäre es also wenn Sie sich für das Gehalt, das Sie sich selber bezahlen, das wertvollste denkbare Gut schenken würden?

Damit wären wir beim Sparen als „Zeitkonserve“. Sie können sich nämlich mit regelmäßigem Sparen einen Teil Zeit aufheben, den Sie in späteren Jahren  zur freien Verfügung haben… das ist das ganze Geheimnis hinter der Idee „für später, fürs Alter“ zu sparen.

Wie wäre es zum Beispiel, wenn Sie sich soviel bezahlen würden, daß Sie schon mit 50 in den Ruhestand gehen können? Oder erst einmal soviel, daß Sie eine einjährige Auszeit  mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren können, damit Sie auf eine 12-monatige Weltreise gehen können…

Sie müssen zugeben: Das wäre doch ein guter Plan, eine unglaublich motivierende Perspektive, oder?

Nun, dann brauchen Sie aber dazu auch ein Vehikel, das es Ihnen ermöglicht „Zeit zu konservieren“, also irgendeine Spareinlage, für die Sie auch noch in zwei, drei, vier Jahrzehnten ungefähr soviel realen Gegenwert bekommen, wie heute!

Und jetzt überlegen Sie mal: Welche Arten von Spareinlagen konnten in den letzten Jahrhunderten ihren realen Gegenwert erhalten?

  • Die Lebensversicherung?
  • Das Sparbuch?
  • Das Geld unterm Kopfkissen?
  • Das Bargeld?

Oder waren es vielmehr:

  • Gold und Silber
  • Land und Grundstücke
  • Aktien und Unternehmensbeteiligungen?

Auch auf die Gefahr hin, daß Sie es bald nicht mehr lesen können: SACHWERT SCHLÄGT GELDWERT!

Geldwert ist alles, was vom Wert des Geldes abhängig ist. Sachwert ist alles, was real existiert und, unabhängig vom Geld, einen eigenen inneren Wert besitzt.

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Fazit

Sparen heißt sich selbst bezahlen und ist nicht langweilig, sondern so ziemlich das sexieste, was ein Mensch im Kapitalismus mit seinem Einkommen machen kann.

Und, wenn Ihnen Ihr Finanzberater erzählen möchte, beim Sparen gehe es nur darum, irgendwelche imaginären „Versorgungslücken“ zu schließen, die vielleicht mal in 30 Jahren auf Sie zukommen könnten… Zeigen Sie ihm ein Lächeln! 😉

 

ARCHIV 2011: 4 Wochen Chaos und 4 Leit-Themen für die nächsten Monate


Wie Sie vielleicht an den fehlenden Aktualisierungen auf dieser Homepage gemerkt haben, bin ich die letzten vier Wochen in Urlaub gewesen und habe mich dabei ganz bewußt von jeder Informationsaufnahme durch Massenmedien (TV, Print etc.) wie auch von E-Mails und Handy abgeschottet.

Ich war also die letzten 4 Wochen hauptsächlich im Nahen und Mittleren Osten und habe fast nichts von der westlichen Welt mitbekommen. Gestern wieder zurückgekehrt, fragte ich mich: „Was hat sich inzwischen geändert?“ – Die frustrierende Antwort: Nichts!

  • Scheinbar wurde wochenlang weiter über Griechenland geredet, ein Land mit der Wirtschaftskraft von Hessen.
  • Auf dem G20-Gipfel in Cannes wurde wohl fast ausschließlich Selbiges getan und man wurde sich in praktisch keinem wichtigen Punkt einig.
  • Rating-Agenturen `raten´ weiter, wie die Zukunft wird und `verraten´ sich dabei auch gerne mal, wie im Falle von Frankreich geschehen.
  • Ein Land wie Belgien, das, obwohl seit mehr als 500 Tagen ohne Regierung, kräftige Reformschritte beschlossen hat, wird gnadenlos „downgegradet“.
  • Die USA, die alle drei Monate eine NEU-Verschuldung fast in Höhe der kompletten Staatsschulden Griechenlands anhäufen (rund 400 Mrd. USD) und dabei völlig reformunfähig erscheinen, werden von Ratingagenturen dagegen mit Samthandschuhen angefaßt und mit größter Zurückhaltung behandelt.
  • Auch die Tatsache, dass, wie von mir prognostiziert (siehe >KLICK HIER) das „Super-Commitee“ in den USA keine relevanten Sparbeschlüße gefasst hat und statt dessen nur festgestellt hat, dass man sich nicht einigen könne, wurde von den ach so objektiven Ratingagenturen auffallend wenig thematisiert.
  • Fox, CNN und nahezu alle westlichen Leitmedien schlagen auf Syrien ein, als gäbe es kein Morgen.
  • Die US-Botschaft in Damaskus fordert alle US-Bürger dringend dazu auf, das Land so schnell wie möglich zu verlassen.

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Gab es denn in den letzten vier Wochen so gar nichts Positives?

Doch: „Bunga-Bunga“, ein nationalistischer, chauvinistischer, skrupelloser, mutmaßlich durch und durch korrupter Multimilliardär ist endlich weg vom Fenster! Daran sehen wir, dass diese Euro-Krise positive Konsequenzen haben kann, die mittel- bis langfristig sehr heilsam sein können.

  • Während Italien einen Lügner weniger in öffentlicher Position hat, meldet sich bei uns einer wieder zurück.
  • Aber, mit Verlaub: wen interessiert dieses „Comeback“ denn schon?
  • Quelle: http://www.spiegel.de, 24.11.2011

Und: die EU hat endlich (!!) ein Verbot von CDS angekündigt, wie von mir im letzten Artikel avisiert (siehe >KLICK HIER).

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Wie geht es jetzt weiter?

1.)

Immer offensichtlicher wird der Zerfall des weltweiten Finanzsystemes, wie es die letzten 60 Jahre existiert hat (mit den USA und GB als Zentren des internationalen Finanzwesens). Vermutlich werden wir schon bald weltweit drei große „Finanzblöcke“ sehen, die sich gegenseitig immer stärker voneinander abgrenzen (USD-Block, Euro-Block, Yuan-Block), die miteinander konkurrieren und voneinander zunehmend unabhängiger werden.

Das Interessante, aber auch zugleich höchst Gefährliche was wir derzeit erleben, das ist nicht weniger, als der Zerfall der globalen Ordnung, wie wir sie in den letzten Jahren kannten. Die Entwicklung von einer „bi-polaren“ (USA, UdSSR) über eine einzeldominierte (USA) zu einer „multipolaren“ Welt vollzieht sich vor unser aller Augen und sie wird dazu führen, dass unsere Welt, unser ganzes Umfeld, in 10 Jahren sowohl politisch, wie auch wirtschaftlich, finanziell und kulturell deutlich anders aussehen wird, als heute.

Wichtig wird sein, dass dieser Umwälzungsprozess, bei dem alte Großmächte verfallen und neue sich herausbilden, möglichst friedlich ablaufen wird!

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2.)

Im Nahen Osten scheint sich eine höchst gefährliche Rekolonialisierungspolitik fortzusetzen, bei der nicht nur die USA (in Syrien, Lybien etc.), sondern auch Europa (wie in Lybien geschehen) kräftig mitmischen. Besonders auffällig sind hier die zunehmenden Konflikte mit Rußland und China, die derzeit die einzigen Mächte zu sein scheinen, die noch einen Angriff der USA / Nato auf Syrien und den Iran verhindern können.

Das größte finanzpolitische und auch sicherheitspolitische Risiko geht für mich derzeit von den USA aus. – Eine Hegemonialmacht, die mit Zähnen und Krallen ihren alten Status zu erhalten versucht, deren Finanz- und Wirtschaftswesen restlos am Ende sind und die sich erst am Anfang einer (wohl mindestens ein bis zwei Jahrzehnte andauernden) Konsolidierungsphase befindet. Doch gerade, weil diese Ex-„Supermacht“ so mit dem Rücken zur Wand steht, wird sie immer gefährlicher für den Rest der Welt. Denn sie könnte beginnen, noch wilder als bisher um ihre althergebrachte Rolle zu kämpfen.

Wie ein solches „Um-sich-schlagen“ aussehen kann, das können wir Europäer seit bald zwei Jahren live erleben: Unsere Währung wird in einem regelrechten Währungskrieg in Schutt und Asche spekuliert und es ist klar erkennbar, dass der angelsächsische Raum frontal die Euro-Zone angreift.

Doch, was ist das Ziel dieses Spiels? Soll wirklich der Euro zerfallen? Ich verstehe weiterhin die Motive der USA nicht, die Euro-Zone dermaßen sturmreif schießen zu wollen… Wozu das Ganze? Wenn Sie eine Idee zu den Motiven in diesem Währungskrieg haben, schreiben Sie bitte in den Kommentarbereich für diesen Artikel.

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3.)

Europa schafft es derzeit noch nicht, sich aus den Fängen der Hegemonialmacht USA zu emanzipieren. Dies gilt besonders stark in politischer Hinsicht. Aus finanzsystemischer Sicht gibt es zumindest (noch zu) halbherzige Versuche, sich aus dem Würgegriff internationaler Spekulanten und angelsächsischer Ratingagenturen zu befreien.

Es besteht jedoch weiterhin die Chance, dass Europa den Währungskrieg zwischen US-Dollar und Euro nutzen kann, um sich neu zu erfinden und die europäische Integration schneller voran zu treiben, als man sich das noch vor drei, vier Jahren vorstellen konnte.

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4.)

All dies passiert jedoch zu einer Zeit, in der die weitgehend ungedeckten und mit Zins gekoppelten Geldsysteme in den westlichen Industrieländern wieder einmal in eine Schlußphase gelangen. Diese „Schlußphase“ ist gekennzeichnet durch extrem schnelle und extrem hohe Vermögenszuwächse auf der einen Seite (die berühmten obersten 10%) und genauso schnelle und hohe Schuldenzuwächse auf der anderen Seite (Staatsschulden, Schulden von Privaten, etc.).

Solche Geldsysteme müssen sich ganz automatisch regelmäßig ad absurdum führen und dann durch Schuldenschnitte und gleichzeitiges Vernichten von Geldvermögen reformiert werden.

Daran ist nichts außergewöhnliches, auch, wenn die Funktionsweise unseres Geldsystemes den Meisten von uns vollkommen unbekannt ist

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Das scheinen für mich die vier großen Themen zu sein, an denen sich die Nachrichtenlage der kommenden sechs bis 12 Monate orientieren wird. Was das im Einzelnen ganz konkret für uns alle bedeuten kann, dazu werde ich (ab sofort wieder regelmäßig) pointiert in diesem Meinungs-Blog Stellung nehmen – und freue mich dabei auch über jeden Kommentar von Ihnen, liebe Leser!

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15.10.2011: Weltweite Proteste und ein schäbiges Presseecho


Aus „Occupy Wall Street“ („Besetzt die Wall Street“, ich berichtete in diesem Blog mehrmals darüber) und vor allem aus der sehr dynamischen spanischen Protestbewegung der „Idignados“ (der „Empörten“) hat sich eine weltweite Bewegung entwickelt.

Viel mehr Menschen als erwartet machten sich heute in über 80 Ländern auf den Weg, um ihrer Wut, ihrer Enttäuschung und ihrer Ratlosigkeit endlich eine Stimme zu geben! Auch in Deutschland waren Tausende auf den Straßen, wobei die Teilnehmerzahlen bis auf wenige Ausnahmen wesentlich höher waren als erwartet.

Rund 8.000 bis 10.000 Demonstranten in Berlin (wo vor dem Reichstag von Polizisten kräftig Pfefferspray versprüht wurde), ebensoviele in Frankfurt, mehr als 5.000 Menschen in Hamburg, und Tausende in Stuttgart, die vor der dortigen Börse das Lied von Mackie Messer sangen!

Im wohlstandsverwöhnten München kamen erwartungsgemäß nur rund 1.000 Menschen zusammen, die spontan am Stachus einen neuen Demonstrationstermin, den 12.11., vereinbarten.

Ebenso fanden Demonstrationen und Kundgebungen statt in Augsburg, Aurich, Bad Wildungen, Berlin-Kreuzberg (Mariannenplatz), Braunschweig, Bremen, Darmstadt, Dortmund, Düsseldorf, Dresden, Erfurt, Erlangen, Freiburg, Greifswald, Gütersloh, Halle, Heilbronn, Itzehoe, Kassel, Köln, Kreis Mettman, Leipzig, Lörrach, Lübeck, Ludwigshafen/Mannheim, Lüneburg, Magdeburg, Münster, Nürnberg, Potsdam, Ravensburg, Reutlingen, Rüsselsheim, Saarbrücken, Saarlouis, Schwerin, Wetzlar, Wiesbaden und Wuppertal.

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Der 15. Oktober 2011 wird zudem rückblickend der Tag sein, an dem erstmals Menschen weltweit gleichzeitig auf die Straße gingen

  • gegen die Verantwortlichen der Finanzkrise, 
  • gegen die Macht der Banken und
  • gegen die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich.
  • für mehr und echte Demokratie

Aus mehr als 80 Ländern und aus Städten wie Rom, Madrid, Paris, London, New York, Chicago, Washington, Denver, Boston, Sydney, Auckland, Wellington, Manila, Seoul, Tokio, Jakarta, Seattle, San Diego, Montreal, Athen, Zürich und vielen weiteren Orten werden Demonstrationen mit jeweils hunderten bis zu mehr als 100.000 Teilnehmern  gemeldet!

Laut Attac waren zum Beispiel alleine in Spanien mehr als 750.000 (!) Menschen auf den Beinen. Sehen Sie sich nur die folgenden, Gänsehaut auslösenden Bilder von der Puerta del Sol in Madrid an:

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Auffallend ist immer noch die an Schwachsinn grenzende Stimmungsmache mancher Massenmedien in Deutschland. Besonders hervor tut sich einmal mehr die Online-Ausgabe des Springer-Blattes „Welt“.  Der Redaktion scheint es ein großes Bedürfnis zu sein, hyperventilierende Kommentatoren von der Leine zu lassen, die mit polemischen Schmähtiraden über die Demonstranten herziehen:

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  • So ähnlich haben sicher auch Artikel in tunesischen und ägyptischen Staatsmedien bei Beginn der dortigen Revolutionen ausgesehen
  • Quelle: www.welt.de, 15.10.2011

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Ich sehe förmlich schon vor meinem geistigen Auge den „BLÖD“-Kolumnisten Franz Josef Wagner, der jetzt gerade bei der dritten Flasche Rotwein einen seiner üblichen 5-Zeilen-Briefe mit dem Titel „Liebe Empörte“ in die morgige Ausgabe seines Hetzblattes rotzt.

Den Vogel schoß freilich  „Welt“-Redakteur Ulf Poschardt ab: Unter der Überschrift „Protestieren mit Stil“ druckt die „Welt“ das Foto einer hübschen, blonden New Yorker Demonstrantin ab und schreibt dazu in der Subheadline…

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Nur auf den ersten Blick erstaunlich und geradezu kabarettreif ist die urplötzlich aufkommende Solidarität von CDU- und SPD-Politikern mit den Demonstrierenden.

So fordert Sigmar Gabriel (der ein oder andere Leser wird ihn vielleicht kennen, falls nicht ist das auch egal) auf einmal im SPIEGEL die Zerschlagung der Banken:

  • Tja, die „Geldbranche“ wird bei diesem „Frontalangriff“ wohl erstmal vor Lachen unterm Tisch liegen
  • Im Ernst: Wen interessiert es, was Sigmar..äh..Wernochmal fordert?
  • Quelle: www.spiegel.de, 15.10.2011

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Wir erinnern uns: Es waren SPD und Grüne, die unter Schröder und Clement (bzw. danach SPD und CDU mithilfe des selbsternannten  „Wirtschaftsfachmannes“ Steinbrück) DIE Finanzmarkt-DE-regulierungen durchgesetzt haben, von denen Lobbyisten in der FDP jahrelang nur feucht geträumt hatten!

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Aber genug des Ärgerns. Stellen wir lieber fest, dass der 15.10.2011 ein guter Tag war. Gut deshalb, weil es sein könnte, dass heute auch bei uns im Land die erste Basis für langfristige, echte Veränderungen gelegt wurde!

Wird Zeit, dass sich was dreht! – Denken Sie mal darüber nach.

Weltweiter Finanzcrash noch im Oktober? – PRO und CONTRA!


  • Rating-Analyst beim „Raten“ in renommierter londoner Rating-Agentur
  • Karriereziel: Chefvolkswirt der EZB werden

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Während „die Märkte“ wahre Bocksprünge vollziehen, die Unsicherheit mal wieder fulminant hoch ist und deutsche Anleger und Bürger in eine Art passiven Fatalismus verfallen, mehren sich Anzeichen, die auf unmittelbar bevorstehende, massive Verwerfungen an Aktien-, Rohstoff-, Geld- und Kreditmärkten hindeuten könnten.

Im folgenden möchte ich diese auffallenden Signale zusammentragen, jedoch ebenso deutlich beleuchten, weshalb wir wahrscheinlich genau das Gegenteil, nämlich ein sehr entspanntes Jahresende sehen könnten.

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EINLEITUNG 

Versucht man zu „erraten“, ob es an den Märkten zu einem starken „Sell-Off“ kommen könnte, so kann man dazu folgende Analysewerkzeuge zu Hilfe nehmen:

  • die Charttechnik (bestimmte, sich regelmäßig wiederholende Kursmuster aus der Vergangenheit lassen bisweilen recht zuverlässige Rückschlüsse auf zukünftige Kursverläufe zu) und/oder
  • Fundamentaldaten (z.B. volkswirtschaftliche Kennzahlen und statistische Trends) und/oder
  • Stimmungsindikatoren (wie ist die Stimmung am Markt? Wobei die aktuell vorherrschende Stimmung der Mehrheit üblicherweise als Kontraindikator gilt) und/oder
  • jahrelange Erfahrung.

Obwohl ganze Legionen von Kaffeesatzlesern (sogenannte „Analysten“) ein riesen Bohei um ihre Arbeitsweise machen und stets so tun, als ob sie „hoch interdisziplinär vernetzt“ arbeiten und recherchieren müßten, um danach dilletantisch bis zur Unlesbarkeit  vollgestopfte Power-Point-Folien zusammenstümpern zu können, so gilt auch für diese Spezies der Glaskugelinterpretierer, dass sie sich meist irgendwann im Laufe ihres Berufslebens auf eine oder maximal zwei der oben genannten Methodiken fokussiert haben und ausschließlich diese zur „Zukunftsvorhersage“ verwenden.

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Nachdem die heutige Konzern- und Finanzwelt zu einem nicht unerheblichen Teil aus stromlinienförmig eindimensional „gebildeten“ BWLern und Juristen besteht und diese in der Regel eine ausgeprägte Affinität zu Zahlen und sogenannten „Fakten“ haben, verwenden die allermeisten Analysten beim Raten die Werkzeuge der „Charttechnik“ sowie die „Fundamentaldaten“ und lassen so weiche und damit schwer definierbare Faktoren, wie „Stimmung“ und „Erfahrung“ gerne außen vor.

Ich möchte im Folgenden gerne  das Gegenteil tun und mich bei meiner Analyse insbesondere von den beiden letztgenannten, weichen Faktoren leiten lassen.

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PRO: Weshalb wir direkt vor einem Finanzcrash stehen!

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1.       Preisverfall bei Gold & Silber

Es gehört zu den gerne und immer wieder kolportierten  Dampfplaudereien irgendwelcher „Börsenkommentatoren“, das Gold ja ein „Krisenmetall“ sei und daher immer in der Krise im Preis steige. Dazu ist folgendes anzumerken:

  • Gold ist kein „Krisenmetall“, sondern Gold ist Geld. Gold war in den letzten 4.000 Jahren Menschheitsgeschichte stets Geld und es wird seinen Charakter auch dadurch nicht verändern, daß historisch dumm gehaltene BWL-Absolventen nun schon circa 4 Jahrzehnte lang permanent die Geld-Funktion von Gold negieren.
  • Da Gold das traditionelle Geld ist und der ganze Papiermüll heutiger Tage (US-Dollar, Euro, Schweizer Franken etc.) bunte, weitgehend ungedeckte Schuldzettel darstellen, steigt oder fällt Gold auch nicht im Preis. – Sondern die derzeitigen Währungen steigen oder fallen im Verhältnis zu Gold. Oder, wie es der berühmt-berüchtigte Alan Greenspan einmal ausgedrückt hat: „Gold ist die Sonne in unserem Gelduniversum.“ (Kleine Anmerkung: Alan Greenspan hat sowohl VOR seiner Zeit bei der FED, als auch NACH seiner Zeit bei der FED einen Haufen hochintelligente und  lesenswerte Dinge gesagt. Lediglich WÄHREND seiner Zeit bei der FED schien der bedauernswerte Mann auf mysteriöse Weise von chronischem Schwachsinn befallen gewesen zu sein).
  • Hätten wir uns diese traditionelle Betrachtungsweise in den letzten 4 Jahrzehnten nicht vollkommen abgewöhnt (Anm. d. Red.: „Gold ist wie die Sonne in unserem Gelduniversum“ – Erklärung für die Hardcore-Katholiken unter den Lesern: damit ist gemeint, dass sich in unserem Geldsystem alles ums Gold drehen sollte), so würden wir seit mehr als 10 Jahren bemerken, daß ALLE relevanten Papierwährungen (parallel zur Aufblähung der entsprechenden Geldmengen) drastisch im Wert verloren haben und, daß jede Anlage in „Sparbüchern“, „Festgeldern“, „Lebensversicherungen“, kurzum in klassischen Geldwerten nichts anderes als legalisierter Betrug ist. Aber nachdem die meisten von uns, vom Kleinanleger, bis zum „Analysten“ völlig befreit von historischem Wissen weitgehend planlos vor sich hin agieren, vergleichen wir ständig fundamental wertlose „Banknoten“ miteinander und stellen so z.B. fest, dass mal der „Euro“ gegenüber dem „Dollar“ fällt und dann das ganze Spiel auch mal wieder umgekehrt läuft… Informationen, die für einen langfristigen Vermögensaufbau und Vermögensschutz vollkommen irrelevant sind.
  • Es gibt nicht nur Gold, sondern auch Silber. Und auch dieses Edelmetall besitzt bereits seit Jahrtausenden eine echte Währungsfunktion, sowie eine Funktion als Wertaufbewahrungsmittel (was man von Papiermüll, wie Reichsmark, D-Mark, Euro etc. nun weiß Gott nicht behaupten kann).

Eine zusätzliche Erkenntnis, die intellektuelle Schwerstgewichte unter den Börsenreporterinnen, wie eine Anja Kohl (ARD – „Börse am Abend“) geradezu verblüffen wird: der Goldpreis steigt, kurzfristig betrachtet, eben NICHT in der Krise, nein, ganz im Gegenteil: er knickt, zusammen mit dem Silber, immer wenige Tage vor Ausbruch krisenhafter Erscheinungen scheinbar „überraschend“ ein!

Meist passiert dies noch so rechtzeitig, daß auf Stumpfsinn gebürstete Mainstream-Blätter, wie der FOCUS, die „Welt“, oder natürlich die gute alte BILD mal wieder von der „riskanten Geldanlage in Edelmetallen“ palavern können und (achten sie mal darauf!) in den Tagen, in denen die krisenhaften Verwerfungen stattfinden, stets vom „sicheren Hafen der Staatsanleihe“ schwadronieren können. –  Auf dass die Anlegerschar auch weiterhin schön in Staatsanleihen (wieder so eine Geldanlage aus der Abteilung „Papiermüll“) flüchten und die eigentlich logische Massenbewegung in die traditionellen Sachwerte Gold und Silber unterbunden werden möge.

  • Populäres Springer-Blatt in Aktion
  • Karriereziele: Rotfront verhindern, Sarrazin fördern, „68er“ vertreiben
  • Quelle: Die Welt, 2.10.2011 

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Ich beobachte dieses Spiel seit mehr als 12 Jahren und es funktioniert regelmäßig, in letzter Zeit jedoch etwas weniger perfekt. Aber nach wie vor gilt: in Krisenzeiten steigen immer „völlig überraschend“ Anleihenkurse und die Massenbewegung in die Edelmetalle bleibt aus (wer das, was die letzten drei Jahre beim Gold und Silber passiert ist, als „Massenbewegung“ interpretiert, wie es viele Analysten und Journalisten gerne tun, der beweist damit nur, daß er keinerlei Ahnung über die Volumina in den einzelnen Märkten hat).

Die Tatsache, daß der Gold- und Silberpreis in den letzten drei Wochen massivst unter die Räder gekommen ist (mit Tagesverlusten von bis zu 16% beim Silber), und die Tatsache, dass die üblichen Mainstream-Medien dies genutzt haben, um von hoch-euphorisch auf pessimistisch-warnend bei Gold & Silber umzuschalten, ist somit ein negatives Zeichen. Es könnte erfahrungsgemäß bedeuten, dass wir nur wenige Tage vor einer Situation stehen, bei der es einmal mehr opportun erscheint, die Anleger von einem „Massenansturm“ in traditionelle Wertaufbewahrungsmittel abzuhalten.

Und so würden bei einem allgemeinen Marktcrash mal wieder (vielleicht zum letzten Mal) US-T-Bonds (also Anleihen eines de facto insolventen Staates), die schon seit Jahren eine Rendite unterhalb der offiziell veröffentlichten Inflationsrate bieten, deutlich im Kurs ansteigen – und Frau Kohl hätte in der „Börse im Ersten“ um kurz vor acht sicher wieder eine ganz tolle Erklärung dafür…

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2.       Terroranschläge wurden „verhindert“

Es fällt auf, dass wenige Tage nacheinander zunächst in Berlin mehrere Brandbomben mit Fernzünder gefunden wurden und danach in den USA ein „iranisches Attentat in letzter Minute verhindert“ wurde.

Schon ist unser friedensnobelpreistragender US-Präsident damit beschäftigt, eine „internationale Allianz“ gegen den Iran zu schmieden…

Alles nur Zufall? Wahrscheinlich schon. Aber es muß auch darauf hingewiesen werden, dass nicht ganz unbekannte Zukunftsforscher wie >>Gerald Celente, sowie Think Tanks wie LEAP für das Jahresende 2011 den Beginn von sich ausbreitenden, heftigen Unruhen in der westlichen Welt vorausgesagt haben. Und mögliche Methoden gegen solche Unruhen sind nun mal das Schüren von Angst gegen einen externen, gemeinsamen Feind (Islamismus, Iran etc.), das Vorbereiten von Gewaltmitteln aus „wichtigem Grund“ (z.B. der Einsatz der Bundeswehr im eigenen Land), das Schüren von Panik und der damit verbundene Appell zum „Zusammenhalt und Ruhe bewahren“.

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Die These, das inszenierte Terroranschläge dazu dienen die Bevölkerung kurzfristig in Schach zu halten, steht sicherlich auf sehr wackeligen Beinen. Allerdings wäre das Instrumentalisieren von Terrorangst kein wirklich neuartiges und überraschendes Mittel und sicherlich höchst opportun, wenn es demnächst für uns alle etwas „rumpeliger“ werden sollte.

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3.       Absehbare Ereignisse in den USA

Im Laufe des November soll, nach ursprünglicher Planung, das „Spar-Superkomitee“ der USA, das erst kürzlich gebildet worden war, um die scheinbar verfeindeten Demokraten und Republikaner gemeinsam an einen Tisch zu bekommen, einen Vorschlag für ein landesweites Sparprogramm vorlegen.

Es ist keinesfalls sicher, dass diese Vorschläge kommen. Vielmehr könnte es auch sein, dass sich das Komitee so sehr intern zerstreitet, dass es zum November hin auseinander bricht.

Die Folgen könnten weitere Downgrades der USA sein, die ohnehin schon seit Jahren fällig sind. Dies wiederum könnte einen gehörigen Finanzschock auslösen.

Übrigens, ganz nebenbei: Wer sich mal die Zusammensetzung des überparteilichen Spar-Superkomitees in Washington ansieht, der stellt fest, dass auffällig viele Lobbyisten dort vertreten sind…. Einmal mehr erscheint es denkbar, dass die Gefechte zwischen Demokraten und Republikaner größtenteils Scheingefechte in einer (Schein?-) Demokratie sind und, dass das „Zerstreiten“ vielleicht deswegen ganz praktisch ist, um in einem kaum demokratisch kontrollierbaren Hinterzimmer („Superkomitee“) die Interessen unterschiedlicher Wirtschaftslobbys in Ruhe auskungeln zu können.

  • Lobbyisten beim einflußreichen Rumsitzen im „Supercomittee“
  • Karriereziel: dafür sorgen, dass der Einfluß reicht
  • Quelle: Washington Post; September 2011 

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Sollten jedoch im November tatsächlich konkrete, weitreichende Haushaltskürzungen in den USA beschlossen werden, so könnte dies zu erheblichen Spannungen mit dem Militär, sowie mit großen gesellschaftlichen Gruppen führen.  Dies bringt zwar keinen unmittelbaren Finanzschock, würde aber das Land auf absehbare Zeit noch mehr lähmen.

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4.       Es spricht sich rum: Die FED ist am Ende mit ihrem Latein

Schließlich kommt noch ein Unsicherheitsfaktor dazu, der die Lage gerade für die Finanzmärkte zusätzlich explosiv macht: die amerikanische Notenbank „FED“ hat ihr Pulver allem Anschein nach komplett verschossen: Zinsen liegen auf Rekordniveau, die Realverzinsung ist negativ, Schrottpapiere sind in gigantischen Massen den US-Geschäftsbanken abgekauft worden, unkonventionelle Mittel wie „Quantitative Easing“, „Twist“ etc. scheinen bereits eingepreist zu sein und somit keine nachhaltige Wirkung mehr erzielen zu können.

Die FED scheint mit ihren Maßnahmen am Ende zu sein – nur „die Märkte“ haben es noch nicht kapiert. Sobald sich dieser Erkenntnisprozess aber einmal durchsetzt, kann dies zu mehreren Schockwellen an den Finanzmärkten führen, denn schließlich war die FED in den letzten 15 Jahre der wichtigste Schutzpatron für weltweit agierende Spekulanten, sowie für amerikanische Groß- und Investmentbanken.

  • Notenbankchef bei morgendlicher Lagebesprechung in der FED
  • Karriereziel: irgendwann aussehen wie Hans-Werner Sinn

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Ohne die marktmanipulativen Eingriffe der FED wäre ein Großteil der Marktakteure bereits vor 10 Jahren pleite gegangen. (Gruß an die FDP-Politiker, sowie alle dummschwätzenden „Volkswirte“ und „Wirtschaftsweisen“, „Analysten“ und „Börsenkommentatoren“ , die uns in den letzten 20 Jahren die USA  immer als ein System des perfekten Kapitalismus und des freien Marktes präsentiert haben! Sie haben die Jahre 1997 bis 2000 offenbar völlig verschlafen und bereits damals nichts kapiert. Besonderen Gruß an den Juristen und neoliberalen Nachplapperer Guido Westerwelle, der von Marktwirtschaft ungefähr soviel Ahnung hat, wie die berühmte Kuh vom Sonntag).

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5.       Die Gefahr eines deflationären Schocks

Zunehmende Liquiditätsschwierigkeiten europäischer, aber auch amerikanischer Großbanken könnten zu einer schlagartig (innerhalb weniger Stunden und Tage) versiegenden Kreditvergabe führen. Dies könnte (ähnlich wie im Oktober 2008 nach der Lehman-Pleite) zu einem drastischen Rückgang der Geldmengen M3 und somit zu einem heftigen deflationären Schock führen. Folge wäre ein kurzfristiger, drastischer Werteinbruch bei den Sachwerten (Edelmetalle, Aktien, Rohstoffe).

  • Als Folge des deflationären Schocks 2008 verfielen kurzfristig nicht nur die Preise von Anlagegütern und Sachwerten. 
  • Spürbare Preiserholungen setzten rasch ab März 2009 ein.

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6.       Die Flucht in den US-Dollar

Sollte sich in den kommenden Tagen durch welche Anlässe auch immer, die Situation bei US-Banken und US-Großanlegern im Sinne einer aufkommenden Panik verschlechtern, so würden US-Banken wieder reihenweise weltweit Kredite fällig stellen und US-Großanleger (z.B. Hedge-Fonds) würden weltweit „Kasse machen“ müssen.

Die Folge wäre, dass massenweise Kredite an US-Banken abbezahlt (in US-Dollar abbezahlt!)  werden müßten und massenweise US-Anleger in der Regel auch in US-Dollar ausbezahlt werden müßten. Damit würden zwei Dinge passieren:  Der US-Dollar steigt (Frau Kohl kann wieder vom Dollar als „Krisenwährung“ quaken) und weltweit werden riesige Massen von Geldern abgezogen. Die Schwellenländer beginnen unter nachlassenden Investitionen zu leiden, Vermögenswerte dort beginnen im Wert zu fallen und die Wachstumsprognosen für diese Länder, die immer häufiger  als die „Lokomotiven der Weltwirtschaft“ gepriesen werden,  müssen alle drastisch nach unten korrigiert werden.

Es klingt verrückt: Gerade, wenn es weltweit richtig schlecht läuft, steigt häufig (kurzfristig) der US-Dollar. Um hier keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: ich halte den seit 1971 ungedeckten Papierdollar für weniger wert als mehrlagiges Klopapier. Und diese Währung wird zweifelsohne den Weg gehen, den alle ungedeckten Währungen durch die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch immer gegangen sind – nämlich bis zur totalen Entwertung auf null!

  • US-Dollar-Entwicklung in den letzten Monaten
  • Karriereziel: Immer wieder positiv überraschen
  • Quelle: http://www.onvista.de

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Aber: Kurzfristig kann der USD immer noch für extreme Überraschungen sorgen und wie „Phoenix aus der Asche“ aufsteigen. Es ist wie bei einem totkranken Patienten auf der Intensivstation:  sehr schlechte Phasen werden immer wieder unterbrochen durch sehr gute Tage, an denen der Patient merklich aufblüht, wo er wieder richtig Farbe im Gesicht bekommt, ein wenig Appetit verspürt, sodass der Patient und seine Angehörigen nochmal und immer wieder neue Hoffnung schöpfen; die Hoffnung, dass er es  wie durch ein Wunder doch noch schaffen könnte…

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7.       Der alte Klassiker: China!

Wenn alles nichts hilft, um von immer desaströser werdenden Wohnimmobilienmärkten in den USA abzulenken, wenn mal wieder der neueste Armutsbericht aus den USA auf die hinteren Seiten der Finanzblätter verdrängt werden soll, kurzum: immer dann, wenn irgendein Arsch her muß, mit dem man vortrefflich vom eigenen Versagen ablenken kann, dann gräbt das Wall-Street-Journal einen alten Klassiker aus, nämlich den angeblich schon seit Jahren vor dem Zusammenbruch stehenden Immobilienmarkt in China, der natürlich das „größte Risiko“ für die westlichen Finanzmärkte sei.

  • Wie gut, dass unsere Staatsanleihenmärkte kein Schneeballsystem sind! Puh, da bin ich jetzt aber echt total beruhigt!
  • Quelle: http://www.capital.de

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Oh ja, sie haben richtig gelesen: nicht eine, mit einer Staatsverschuldung von 100% eines hedonisch aufgeblasenen BIP´s, einer verfallenden Infrastruktur, bankrotten Bundesstaaten, einer realen Arbeitslosigkeit von 20% und einer realen Inflationsrate von 8% fest in den Klauen einer größenwahnsinnigen Rüstungslobby und beherrscht von ein paar wenigen, skrupellosen Finanzoligopolen in Agonie verfallende Noch-Großmacht wie die USA ist unser Problem. Nein: China ist unser Problem! Merken Sie sich das doch bitte endlich einmal!

Und China wird uns noch in den Untergang reißen mit ihren ganzen Drecksimmobilien, denn da liegen ja die großen Probleme. Sagen doch auch Focus-Money und der SPIEGEL und so, gell! (Ironie – AUS)

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CONTRA: Weshalb dieses Jahr sehr entspannt enden wird!

Zunächst einmal sei erlaubt, die Frage zu stellen, was eigentlich genau ein „Finanzcrash“ ist?

Ist es ein „Finanzcrash“ wenn Aktien im Kurs fallen?

  • Nun, wer keine Aktien hat, dem ist das egal.
  • Wer seine Aktien günstig gekauft hat, dem ist das auch egal.
  • Wer seine Aktien hauptsächlich wegen der Dividendenausschüttungen gekauft hat, dem sind Kursschwankungen ebenfalls egal.
  • Und wer noch keine Aktien hat und sie sich zulegen möchte, der freut sich sogar über verfallende Kurse.

Wir haben uns seltsamerweise daran gewöhnt, daß fallende Aktienkurse für alle ein Drama seien. Dabei müßten wir rein objektiv feststellen, daß es für die allergrößten Teile unserer Realwirtschaft vollkommen gleichgültig ist, wo ein DAX oder ein Dow Jones gerade stehen.

Der echte Finanzcrash, also der Crash, der für uns alle (und nicht nur für die 3,5 Millionen Aktionäre in Deutschland) wirklich richtig relevant ist, der läuft seit Jahren völlig ruhig und für die Meisten weitgehend unbemerkt ab: es ist der dramatische Wertverlust des Geldes und der Geldwerte!

Wie praktisch, daß Lieschen Kleinanleger nie nachrechnet, wenn sie 1998 eine Lebensversicherung abgeschlossen und diese 12 Jahre später, 2010, ausgezahlt bekommen hat: Aus 20.000 Euro wurden zwar vielleicht 30.000. Aber Lieschen Kleinanleger bedenkt nicht, daß 30.000 Euro heute ungefähr noch soviel Kaufkraft haben, wie 1998 15.000 Euro – was einem realen Wertverlust von 25% Prozent in einer sogenannten „sicheren“ Sparanlage entspricht!

Kaufkraftverlust des Dollars

  • Geldwerte als sichere Geldanlage für clevere Kleinanleger
  • Karriereziel: Wertlosigkeit und Ersatz durch neue Währung

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Die reale Entwertung von Sparbüchern, Lebensversicherungen, Sparbriefen, Festgeldern und weiterem Papiermüll, der reale Wertverlust des Geldes – DAS ist der wahre Finanzcrash!

Aber kommen wir zurück auf die Argumente, die alle scheinbar für einen klassischen „Crash“ von Aktienmärkten noch in diesem Jahr sprechen, so gibt es für eine solche Meinung stichhaltige GEGENargumente:

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Zu 1.: Preisverfall bei Gold und Silber

Unbestreitbar ist die Beobachtung, daß die Edelmetalle immer sehr kurz (wenige Tage) vor schlechten Nachrichten oder krisenhaften Ereignissen in einen Sinkflug übergehen.

Unterstellt man hierbei absichtliche Marktmanipulationen, um die Anlegerschar aus diesem Geldanlagen wieder rausreden zu können, so muß man allerdings feststellen, daß noch einiges zu tun ist, bis dies diesmal im großen Stil gelingen wird:

Kaum ein Kleinanleger hat den Wertverfall  bei Gold von 1.900 USD auf 1.600 USD wirklich als bedrückend erlebt, weil Gold alleine in diesem Jahr mehr als 500 USD von 1.400 USD zugelegt hat. Der gewöhnliche Kleinanleger wird aber nicht nervös, wenn er etwas weniger im Plus ist, sondern er wird nervös, wenn er ins Minus rutscht – und davon sind die meisten beim Gold noch meilenweit entfernt.

  • Der Goldpreis in US-Dollar seit 2002
  • Karriereziel: langfristig als Wertspeicher dienen
  • Quelle: http://www.onvista.de 

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Sollte die These mit der bewußten Marktmanipulation stimmen, so müßte Gold erst auf mindestens 1.400 USD fallen (Silber ca. auf 20), bis die „zittrigen Hände“ beginnen, auf den Markt zu werfen.

Der kleine Preisverfall bei den Edelmetallen in den letzten drei Wochen reicht also noch nicht aus, um einen sicheren Indikator für einen bevorstehenden Crash an den Finanzmärkten daraus ableiten zu können.

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Zu 2.: Terroranschläge wurden verhindert

Die These, daß man eine konstruierte Terrorgefahr nutzen könne, um von bevorstehenden Finanzmarktturbulenzen abzulenken scheint nicht belastbar.

Denken Sie nur an den November letzten Jahres: Im November 2010 hatte man schon einmal eine Terrorgefahr hochgekocht. Sie erinnern sich? Damals sollten 6 Terroristen aus dem Nahen Osten bewaffnet in den Berliner Reichstag eindringen und ein Gemetzel veranstalten… eine Geschichte, die so grenzenlos dämlich war, daß man nicht wußte, ob man nun lachen oder weinen sollte.  Dem DAX war das ganze herzlich egal, er setzte mitten in der größten Terrorpanik zu einer fulminanten Jahresendrallye an.

 

  • Drecksblatt für Grenzdebile
  • Karriereziel: Systematische Volksverblödung
  • Quelle: http://www.bild.de

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Das zeitliche Zusammentreffen von Terrorangst in Deutschland und in den USA wie es in diesen Tagen feststellbar ist, erscheint zwar schon höchst verdächtig, aber vielleicht besteht das Motiv dafür nicht in irgendeiner Ablenkungstaktik, sondern vielleicht sollen einfach nur wieder irgendwelche politischen Ziele damit verfolgt werden (wie 2010 der Beginn der Diskussion um Internetkontrollen).

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Zu 3.: Absehbare Ereignisse in den USA

Ja, es ist zweifelsohne wahr, daß die Verabschiedung des amerikanischen Sparpaketes womöglich ein Thriller werden wird.

Aber: wer sagt uns, daß die USA unbedingt noch in diesem Jahr ein solches Sparpaket beschließen werden? Immerhin würden beide beteiligten Parteien damit ein gewaltiges Risiko eingehen, und das so kurz vor den US-Präsidentschaftswahlen in 2012.

Und wer sagt, daß Ratingagenturen so objektiv agieren, daß sie zwangsläufig die USA downgraden müßten, wenn diese nicht bald beginnen, ihren Staatshaushalt ernsthaft zu konsolidieren? Die letzten Monate haben doch gerade gezeigt, daß die in New York und London sitzenden Agenturen vollkommen unterschiedliche Maßstäbe ansetzen, indem sie ein europäisches Land mit massivsten Problemen wie Großbritannien praktisch unbehelligt gelassen haben und zum Beispiel ein Land wie Irland mit moderater Verschuldung und einer Barreserve von über 25 Milliarden Euro objektiv völlig ungerechtfertigt angegriffen haben.

Kurzum: es könnte durchaus sein, daß in den USA (erst mal) kurzfristig gar nichts passiert.

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Zu 4.: Es spricht sich rum: Die FED ist am Ende mit ihrem Latein

Jaja, die FED. Sie war schon am Ende mit ihrem Latein im Jahr 1999, im Jahr 2000, im Jahr 2006, im Jahr 2008 und Anfang diesen Jahres – und immer wieder kam diese Notenbank, bei der die kreativsten Köpfe des ganzen Landes versammelt zu sein scheinen, auf neue Ideen, um einen scheintoten Dollar, einen klinisch toten Kreditmarkt und einen paralysierten Aktienmarkt neu zu beleben.

Merke: NEVER FIGHT THE FED! Wer die Macht und das Recht zu unbegrenztem Gelddrucken hat, der ist in unserem System lange, lange, lange noch nicht am Ende.

Ich bin in den letzten 12 Jahren mehrmals gegen die Wand gefahren, weil ich immer wieder dachte: „Jetzt ist es aus! Jetzt kollabiert das System!“ Und ja, unser Geld- und unser Finanzsystem sind schon seit mindestens 10 Jahren am Ende. Selbstverständlich werden wir eine neue Währung bekommen. Selbstverständlich werden Geldvermögensbesitzer wieder, wie immer, enteignet werden. Selbstverständlich werden viele der größten Banken verstaatlicht werden und so weiter und so fort.

Und selbstverständlich wird sich die echte Geldelite, die die von dem ganzen Deregulierungsblödsinn, von der neoliberalen „Globalisierung der Finanzmärkte“, von den Reagonomics und vom Thatcherismus der letzten 20 Jahre als einzige profitiert haben, ihr Vermögen rechtzeitig in Sicherheit bringen, indem sie ihre Geldwerte (falls sie es nicht schon längst getan haben) noch schnell in Sachwerte umtauschen, ABER: die Frage ist nur WANN.

Vielleicht sind wir in 5 Jahren überrascht, daß unser Finanz-, Banken- und Geldsystem immer noch nicht zusammengebrochen ist. Japan hat es in den 90er Jahren immerhin 10 lange Jahre geschafft, ein insolventes privates Bankensystem in der Obhut des Staates am Laufen zu halten. Und Japan ist finanziell auch (noch) nicht am Ende…

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Zu 5.: Gefahr eines deflationären Schocks

Die Gefahr ist real zweifelsohne vorhanden. Und sie ist in den letzten Wochen so groß geworden, wie seit 2008 nicht mehr!

Die Kreditvergabe lahmt. Der Interbankenmarkt ist praktisch eingefroren. – Aber wo bleibt der deflationäre Schock? Es scheint so zu sein, als hätten sich die Zentralbanken, insbesondere die europäische Zentralbank EZB mit diversen Fazilitäten etc. soweit gründlich vorbereitet, dass sie den Bankensektor gut und ausreichend liquide halten können. Der deflationäre Schock scheint somit fürs Erste erfolgreich abgewendet zu sein.

Nichtsdestotrotz bin ich fest davon überzeugt, dass wir in näherer Zukunft (wenige Tage bis ca drei Jahre) noch einmal einen heftigen deflationären Schock sehen werden, bei dem die Werte von Aktien, Edelmetallen und Rohstoffen noch einmal drastisch einbrechen werden, wohingegen der ganze Papiermüll (Geld, Anleihen, Schuldverschreibungen, etc.) noch einmal als „Hort der Stabilität und Ruhe“ erscheinen darf.  Noch einmal werden Anleger alles auf den Markt werfen, was sie haben und werden sich voller Angst und Risikoscheu zurückziehen, am besten mit dem „Geld unterm Kopfkissen“.

Dieses Ritual ist altbekannt und es dient dazu, die wirklich substanzhaltigen Geldanlagen (Sachwerte) aus den „zittrigen“ in die „starken Hände“ zu geben.  Erst, wenn die große Masse Aktien und Gold verflucht und die Inflation für „reine Panikmache“ hält, erst dann ist die Zeit gekommen für eine (bereits vorbereitete) schnell einsetzende Inflation, Hyperinflation und die dann folgende Währungsreform, die einen Großteil der Geldvermögen wie immer vernichten wird (wohlgemerkt: der Geldvermögen, nicht der Sachwerte).

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Zu 6.: Flucht in den US-Dollar

Diese Gefahr des „Repatriierens“ riesiger Dollargeldmengen wird meiner Meinung nach in der Öffentlichkeit viel zu wenig diskutiert: zum einen könnte das wirklich dazu führen, daß den aufstrebenden Schwellenländern der Geldhahn abgedreht wird, mit all den Folgen für die Weltwirtschaft. Zweitens wäre die Gefahr sehr groß,  die in die USA einströmenden USD-Mengen sehr schnell zu einer heftigen Inflation führen würden.

ABER: Solange das Zinsniveau in den USA so extrem niedrig ist, wie derzeit und, solange die US-Volkswirtschaft in einem dermaßen desaströsen Zustand verweilt, gibt es nur wenige objektive Gründe, die dafür sprechen, sein Geld in die USA zurück zu holen.

Daher ist die Dollarerholung  der letzten Wochen vermutlich noch nicht als Vorzeichen anstehender Finanzturbulenzen zu werten.

Es bleibt jedoch festzuhalten, daß die USA krampfhaft alles versuchen, um gegenüber anderen Wirtschaftsregionen für internationales Kapital attraktiver zu erscheinen. Und, wenn es nicht genügend Gründe gibt, um selber attraktiv zu sein, dann konstruiert man eben Gründe, um die anderen unattraktiver erscheinen zu lassen. So hat man die Euro-Zone mutwillig und bewußt angegriffen und versucht derzeit, den Euro als mögliche Ersatz-Weltleitwährung zu vernichten. Ebenso versucht man ständig, China und Rußland schlecht zu reden. Und man gibt sich die größte Mühe, eines der interessantesten, wichtigsten und zukunftsträchtigsten Schwellenländer, nämlich Brasilien, so gut es geht konsequent zu ignorieren.

Quizfrage Nr. 1: Wenn an der These was dran ist, daß die USA versuchen, all die Länder schlecht zu machen, denen es im Moment gelingt in Konkurrenz zu den USA Kapital einzusammeln… welches Land steht dann wohl jetzt auch schon auf der Abschußliste? … Na… grüetzi!  Ist schon irgendwie auffällig, wie extrem devot die Schweiz in letzter Zeit Kontodaten an die USA ausliefert…

Quizfrage Nr. 2: Wie greife ich die Schweiz am besten an? – Antwort: Indem ich eine ihrer völlig überdimensionierten beiden Großbanken in Schutt und Asche lege… eine Operation, die unter zu Hilfenahme von ein paar Rating-Agenturen in drei, vier Wochen locker geschafft werden kann.

Quizfrage Nr. 3: Welche Währung ist somit langfristig hoch gefährdet, auch, wenn Magazine wie PLUSMINUS  ständig zum Kauf derselben raten? Richtig, der Schweizer Franken. – Eine Währung, die seit Ende der 90er Jahre (also seit dem Beitritt der Schweiz zum US-dominierten internationalen Währungsfonds IWF) über keinerlei Deckung mehr verfügt (Golddeckung wurde aufgehoben) und somit den Weg alles irdischen ungedeckten Papiergeldes gehen wird, nämlich den Weg gegen null (der letzte Halbsatz stammt übrigens nicht von mir, sondern von Voltaire).

  • Ach Helvetia, du feuchter Traum aller Steuerhinterzieher! Ein Land, wie Afghanistan: extrem zerklüftet, für schwere Panzer kaum zugänglich und mit vielen tiefen Berghöhlen, in denen man zwar keine Terroristen, aber zumindest deren Geld verstecken kann.
  • Karriereziel: sich die Yankees vom Hals halten (…noch eine Gemeinsamkeit mit Afghanistan)

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Zu 7.: Der alte Klassiker: China!

Jaja, in China platzt bald eine Blase nach der anderen und das führt alle Schwellenländer in die Rezession und dann geht die Welt unter – fertig ist der FOCUS-Money Artikel.

Fakt ist, daß in China Immobilien ganz anders finanziert werden, als bei uns in der westlichen Welt: Eigenkapitalquoten von weit über 60 % sind die Regel (und nicht wie im Westen die Ausnahme). Wohnungen werden selten von Einzelpersonen gekauft, sondern üblicherweise von mehreren, Arbeitseinkommen beziehenden Familienmitgliedern – deren Einkommen von Jahr zu Jahr dazu auch noch kräftig angehoben werden (autsch und schon wieder ein riesen Unterschied zu unserem Wirtschaftsraum).

  • Beispiel Suzhou: typisch kuschelige chinesische Kleinstadt mit 6 Millionen Einwohnern, einer fast perfekten Infrastruktur und einem Arbeitsplatzangebot, bei dem Ursula von der Leyen glatt der Hefezopf aus der Hand fallen würde.

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Was auch sehr gerne verschwiegen wird ist der Fakt, daß die chinesischen Wirtschaftsverantwortlichen eine antizyklische, erstaunlich weitblickende Politik fahren, die von soviel Marktkenntnis und Verständnis von echter Marktwirtschaft zeugt, wie sie  die amerikanische FED und eine Bush-Regierung wohl noch nie aufgebracht haben. So wurden die Eigenkapitalvorschriften für chinesische Banken erst kürzlich wieder sehr solide auf bis zu 30% erhöht – ein Niveau, bei dem die Herren Ackermann, Henkel und Brüderle den Untergang des Abendlandes verkünden würden.

Und in der Tat: bei 30% Eigenkapital läßt sich eine Kreditkrise ganz anderes durchstehen, als wenn eine Deutsche Bank mit einer Kernkapitalquote im einstelligen Prozentbereich durch die Gegend humpelt.

Übrigens: die Schwellenländer bestehen nicht nur aus China, sondern (vor allem!) aus Indien! – Dazu kommen ganz Südamerika mit Brasilien, plus Vietnam, plus Südkorea et cetera et cetera…

Somit läßt sich feststellen, daß das ständige Warnen vor einem Platzen irgendeiner chinesischen Blase zu offensichtlich als opportunes Ablenkungsmanöver durchschaut werden kann. Analysten und Journalisten, die unablässig auf „Gefahren in China“ verweisen möchte man zurufen: „Kümmere Dich um Deinen eigenen Scheiß!“ … und man möchte sie am liebsten fragen: „Was hast Du eigentlich 2004, 2005, 2006 und 2007 über die amerikanische Immobilienblase geschrieben und gesagt?“

Und überhaupt: Wieso stellt angeblich realwirtschaftlich eine Rezession in China eine so große Gefahr für uns dar, wo doch nur etwas mehr als 5 % der deutschen Exporte in dieses Land gehen? Wieso drängen wir statt dessen darauf, daß Mitgliedsländer der EU, wie zum Beispiel Griechenland, Spanien, Portugal, Irland sich viel zu überhastet fast zu Tode sparen, wo doch genau diese Länder zu über 50 % unser ganzes Exportzeug aufnehmen?  – „It´s the ideology, stupid!“ möchte man da frei nach Bill Clinton antworten.

Schließlich dominieren bei uns im Land quer durch fast alle Parteien und quer durch fast alle Wirtschaftsforschungsinstitute die Neoliberalen. Und der Neoliberale hat nun mal gelernt, daß ein Land so zu führen ist, wie eine „schwäbische Hausfrau“ ihre Familie führt: man spart, man spart, man spart….!  Mit außenwirtschaftlichem Gleichgewicht hat der Neoliberale wenig am Hut. Und beim Ausdruck „Makroökonmie“ bekommt er vor Ekel Fußpilz. Wie dumm… aber was soll man machen, wir haben sie ja schließlich gewählt!

Zurück zu China. Eine große Achillesferse weist dieses Land jedoch auf: Es ist die fehlende Zuverlässigkeit offizieller Wirtschaftsdaten! Wer garantiert mir denn, daß die Chinesen ihr Bruttosozialprodukt fair berechnen? Und ihre Inflation? Und ihre Geldmenge? Und und und?

Das macht es auch umso schwerer, irgendwelche Einschätzungen zu China zu äußern.

Aber Moment: ein Land, dass seine offiziellen Zahlen nicht mehr fair berechnet, das schönrechnet und verbiegt, wie zu besten Sowjetzeiten… an wen erinnert uns das? „Yes, we can!“ – Aber dazu in späteren Artikeln mehr…

 

FAZIT

Kommt er nun der große Finanzcrash in den kommenden Tagen, oder kommt er nicht?

Es sieht so aus, als würden zu viele Menschen noch in diesem Jahr den Weltuntergang erwarten. Es sieht so aus, als hätten sich die Finanzmarktteilnehmer und die Zentralbanken nach fast zwei Jahren Währungskrieg mit „Eurodauerkrise“ schon auf alle Eventualitäten eingestellt. Zudem ist die Panik jetzt schon so groß, daß Kleinanleger sich in Scharen fern halten. Und ohne die macht so ein Crash doch überhaupt keinen Spaß! Denn schließlich müssen doch genügend Schafe da sein, die man rasieren kann, denen man das gute Material zu Niedrigstkursen aus ihren „zittrigen Händen“ abnehmen kann.

Die wirklich großen Crashs und Verwerfungen kommen an den Finanzmärkten fast immer dann, wenn die Mehrheit NICHT mit ihnen rechnet. dazu ist es wohl im Moment (noch) zu früh.

Also: Es riecht für mich eher nach einer „völlig überraschenden“ Entspannung an den Märkten mit einer netten Jahresendrallye bei den Aktien, die allerspätestens in den letzten Dezemberwochen einsetzen sollte.

ABER: Viele der Aufgaben in den kommenden Wochen, deren Ausgang über „Crash“ oder „Entspannung“ entscheiden können, liegen in den Händen der Politik (egal, ob in Europa, oder in den USA). Und damit entsteht ein politisches Risiko, das nur sehr, sehr schlecht eingeschätzt werden kann. – Daher sind „Marktprognosen“ im Moment so extrem schwierig.

Was Sie jetzt tun können? Sichern Sie sich ab gegen alle Eventualitäten und gegen alle Szenarien. Zumindest kurzfristig gilt das.

Und wie sieht´s langfristig aus? – Nun, meine Meinung dazu haben Sie doch gerade eben glasklar gelesen.

Und jetzt? – Denken Sie mal darüber nach…