Bye bye Britannia, god shave the queen!


Liebe Briten,

heute erleben wir vielleicht, wie Ihr als Ur-Europäer Euch bewusst aus der EU verabschiedet. Zeit, einmal inne zu halten und nachzudenken: Was verlieren wir, wenn Ihr geht?

Zunächst mal natürlich das leckere Essen! Zerbratene Fisch-Stücke mit vor Fett triefenden Kartoffelscheiben. Das Ganze eingewickelt in Zeitungen. Was man woanders „Dreck in Altpapier“ nennen würde, das heißt bei Euch Fish `n´Chips und wird unverfroren als „Nationalgericht“ angepriesen. Und noch was: Minze tut man in den Caipirinha, aber nicht in eine Soße!

Wer so einen Müll zu sich nimmt, der muß fast zwangsläufig Alkohol nachschütten. Quizfrage: Wo befindet man sich, wenn schon morgens um halb zehn alle Bars brechend voll sind? – Auf einem Kreuzfahrtschiff, das in Southampton abgelegt hat.

Ja, Eure Trinkfreude ist schon wirklich legendär, liebe Engländer. Leider führt steigender Alkoholkonsum bei Euch auffallend oft zu Gegröhle und Prügelei. Tja, Briten, die nach dem vierten Pint ausgelassen und friedlich tanzen und singen, die heißen halt nicht Engländer, sondern die heißen Iren – eine Faustregel, die ich als alter Kreuzfahrer aus purer Erfahrung weitergeben kann.

Die Neigung zum Alkoholismus ist aber auch verständlich: Wenn man auf so einer kleinen Insel hockt… dazu noch das scheiß Wetter… da wird man schon mal absonderlich.

Aber erklärt das denn auch, warum Ihr ständig irgendeinen Dreck zusammenwählt? Weshalb Ihr seit Jahrzehnten dem Neoliberalismus fröhnt, obwohl er Euch heruntergewirtschaftet hat bis auf die Knochen? Angefangen hat das Ganze ja mit einer Frau als Premierministerin, für die das Bayerische einen herrlich sexistischen Begriff kennt: „Krampfhenne“.

Aber lassen wir die „Eiserne Lady“, sie möge in Frieden rosten.

Vielmehr müssen wir doch feststellen: Hätte der legitime Nachfolger der Krampfhenne, Euer Kriegstreiber Tony Blair, nicht fröhlich weiter Arbeitnehmerrechte beschnitten und die Finanzindustrie dereguliert… dann wäre vermutlich der olle Suffkopp aus Hannover bei uns niemals so tolldreist geworden, wie er es letztlich war.

Großartig, diese Betonung und Förderung der „Finanzbranche“, bei gleichzeitigem Wegdrängen des Staates: Jetzt habt Ihr Straßen, die >>gelegentlich mal ein Auto verschlucken, privatisierte Bahnen, die laufend entgleisen und Ambulanzen, >>deren Computer hoffnungslos veraltet und fehlerhaft sind.

Gleichzeitig leistet Ihr Euch die „City of London“, die exteritoriales Gebiet ist, eine sogenannte „zeremoniale Grafschaft“,  die eine eigene Regierung hat, bei der die Mehrheit der Stimmen nicht auf Personen entfällt, sondern auf Unternehmen und Körperschaften.

Wie praktisch, dass auf diesem größten Finanzplatz der Erde >>Britische Gesetze nicht greifen. Asoziale und Dummschwätzer handeln dort mit weitgehend virtuellen „Derivaten“ über alle Grenzen hinweg, sie manipulieren die Gold- und Silberpreise und spekulieren auf Lebensmittelknappheiten – aber kein Gericht kann sie belangen und keine Regierung ihre Geschäfte kontrollieren.

Interessant ist in dem Zusammenhang, dass aber die ganzen Umsätze der „City“ dennoch in die Berechnung für das britische Bruttosozialprodukt einfließen. Damit besteht das britische BSP zu circa 25 % aus Erträgen aus weitgehend sinnloser und gemeingefährlicher Geld- hin und her Schieberei – was dazu führt, dass manche Volkswirte britische Wirtschaftsdaten für ungefähr so aufgebläht und seriös halten, wie die Zahlen der UdSSR aus den 80er Jahren.

Und, liebe Briten, wo wir schon mal bei Eliten-Hörigkeit und mangelndem Abschaffen von Privilegien sind: Was soll eigentlich dieser notorische Hang zum Neo-Feudalismus? Dieses ganze Getue um Euer „Königshaus“ hat mich ja nicht nur beim Friseur und im Arzt-Wartezimmer genervt: An der Spitze dieses Inzest-Haufens steht eine alte Schachtel, der man vor 70 Jahren einen Gesichtsausdruck in die Visage getackert hat – den sie seitdem Jahr für Jahr mit einer bleiernen „Coolness“ aufträgt.

Die Schwiegertochter von Lisbeth trägt den Namen von feuchtem Toilettenpapier und sieht aus, wie ein Pferd. Und einer der beiden Enkel ist dem Reitlehrer seiner verstorbenen Mutter, wie aus dem Gesicht geschnitten (surprise, surprise…).

Stimmung kommt eigentlich nur noch auf, wenn Prinz Mach-mir-den-Reitlehrer-Harry >>zum Moslem-Abknallen nach Afghanistan fliegt, oder er zur Abwechslung >>in Las Vegas die Hosen runterlässt.

Elisabeth zwei

Ein Lächeln, wie aus dem Baumarkt: widerstandsfähig und abwaschbar.

Wieviel Mut zur Lächerlichkeit habt Ihr eigentlich noch? Oder ist das die berühmte britische „(Niemals Selbst-)Ironie“?

Kein Volk lässt sich eine dermaßen arrogante Oberschicht mit derart versnobten Ausbeutern so lange bieten. Was habt Ihr davon? Die mieseste Verfassung Europas (außer Weißrussland vielleicht) mit Grundrechten nach Gutsherrenart, von Ihrer Majestät gnädigst gewährt. Eine superreiche Schmarotzerklasse, die im Luxus schwimmt und ein verelendetes Proletariat. Prall gefüllte Privatsafes von Multimilliardären, die kaum einen Penny Steuern zahlen, dafür eine Armada von parasitären „Steuerparadiesen“ von der Finanz-Freihandelszone „City of London“ über die Kanalinseln bis in die Karibik – leere Staatskassen, marode Straßen und desolate Krankenhäuser inklusive.

Ihr seid also quasi schon da, wo Hans-Werner Sinn und Konsorten noch hin wollen.

Tja, liebe Engländerinnen und Engländer: Wenn Ihr nun heute den Ausstieg aus der EU wählt, dann wird das ein großartiger Sieg für die noch vorhandene Demokratie sein. Und zu einem Aktien-Crash führen. Ansonsten wird es uns aber ziemlich wurscht sein.

Falls Ihr Euch doch entscheidet zu bleiben und mit uns weiter zu arbeiten… na, dann werden wir uns schon irgendwie entnervt wieder zusammen raufen. Denn Eines habe ich beim Schreiben dieses Artikels gelernt:

Wir sind uns schon viel ähnlicher, als wir es uns jemals selber zugeben würden…

 

Liebe SPD,


Deine Führungsmannschaft ist ratlos: Seit 15 Jahren fallen Deine Umfragewerte, zuletzt auf AfD-Niveau.

Österreich macht es uns vor: Wenn es am politischen Himmel düster wird, neigt man bisweilen dazu, auch das Wort des Geringsten unter der Sonne ernst zu nehmen.

Damit es in Deutschland nicht soweit kommt: 15 praktische Tipps gegen den vollständigen Niedergang der deutschen Sozialdemokratie!

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1. Schafft Hartz-4 ab, und zwar komplett

Das Programm des knuddeligen Nutten-Fickers aus Wolfsburg demütigt nun seit über 10 Jahren Menschen. Und zwar genau jene Menschen, die am sogenannten „unteren Rand“ der Gesellschaft stehen. Weil sie schlicht und ergreifend weniger besitzen, als andere. Und, weil sie, aus welchen Gründen auch immer, gerade nicht so am phänomenalen „Berufsleben“ teilnehmen können, wie dies „allgemein üblich“ erscheinen mag. Hartz-4 ist ein Gängel-System, das arme Menschen pauschal vorverurteilt und wie kleine Kinder behandelt.

Sozialdemokratisch“, das heißt: Für die Armen eintreten; sie genauso ernst nehmen, wie jeden Menschen. Im Menschen den Menschen sehen, sonst nichts. Erinnert Euch daran, SPD!

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2. Kümmert Euch darum, was wirklich wichtig ist

Die Sozialhilfe kostete rund 50 Milliarden DM pro Jahr, Hartz-4 kostet derzeit 36 Milliarden Euro. All diese Summen sind vollkommen gleichgültig gegenüber folgenden Zahlen: Steuerhinterziehung >>kostet  Deutschland rund 100 Milliarden EUR jährlich. Die Steuersenkungen unter Schröder (Senkung der Körperschaftssteuer, Senkung des Spitzensteuersatzes, Nicht-Wiedereinführung der Vermögenssteuer) führen zusätzlich zu einem Einnahmen-Ausfall von 60 Milliarden Euro pro Jahr.

Nun, liebe SPD, welches Thema wird nun wichtiger sein? Die paar Milliarden Hartz-4, oder die Wiedereinführung der Steuersätze, die bereits unter Helmut Kohl gegolten haben plus der Kampf gegen Steuerhinterziehung?

Mathematiker und echte Sozialdemokraten wissen die Antwort.

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3. Stellt Euch gegen TTIP, aber glaubwürdig

Was für eine Steilvorlage: Die Mehrzahl der Deutschen ist >>gegen das sogenannte „Freihandelsabkommen“. Mexiko und die USA zeigen exemplarisch die negativen Auswirkungen von „Freihandel“ a la Großkonzerne.

Stell Dich dagegen, SPD! Werde zur (verläßlichen!) Stimme derer, die gegen TTIP sind. Und trete aus der Koalition aus, sofern die TTIP-Verhandlungen zwischen der BRD und den USA nicht sofort abgebrochen werden!

Klar, das könnte dazu führen, dass die ein oder andere SPD-Führungskraft aus der Atlantik-Brücke, oder aus der Trilateralen Kommission ausgeschlossen wird. Und es wird zu einem extremen Shitstorm von Seiten des Springer-Konzernes und seiner Medien führen. Aber: Was habt Ihr denn bei 20% noch zu verlieren, außer Eurem letzten Rest an Glaubwürdigkeit?

In diesem Zusammenhang:

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4. Sucht Euch einen glaubwürdigen und sympathischen Vorstand

Der Unsympath Siggi, bei dem kein Mensch weiß, wofür er steht, der wandelnde Aktenordner und Schröder-Karrierist Steinmeier – sie alle sind von der sozialdemokratischen Basis so weit entfernt, wie weiland Jörg Haider von Heterosexualität.

Sucht Euch jemanden der wirklich weiß, wie es ist, als Diplomierter für 7 Euro die Stunde lektorieren zu dürfen. Der weiß, wie es sich anfühlt, den vierten befristeten Arbeitsvertrag in Händen zu halten. Der weiß, wie man plant, wenn das Geld nur noch für die nächsten acht Wochen reicht. Der es erlebt hat, mit 60 anderen Personen eine freie Mietwohnung zu besichtigen.

Ach ja, und übrigens:

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5. Trennt Euch von Andrea Nahles

Ich will nicht sagen, dass der Werdegang einer SPD-Politikerin über ihre Polit-Karriere entscheiden soll. Aber, wenn eine Person, die außer Parteifunktionärs-Arbeit kein einziges Arbeitsverhältnis je kennen gelernt hat, wenn gerade diese Person Arbeitsministerin wird, dann wirkt dies doch relativ absurd. Endgültig ärgerlich wird es aber, wenn diese „junge Hoffnung der SPD“ in ihrem Ministerium >>Dinge beschließt, die in ihrer Ausrichtung strikt neoliberal sind, aber dennoch als „arbeitnehmerfreundlich“ verkauft werden.

Schluß damit! Das untergräbt jede sozialdemokratische Glaubwürdigkeit. Die Andrea gehört in die Mottenkiste. Und mit ihr befristete Zeitarbeitsverträge, Leiharbeit und unbezahlte Praktika. Wer sonst, wenn nicht die Sozialdemokratie soll sich für die Interessen von Arbeitnehmern und für Studien- und Ausbildungsabgänger stark machen?

 

6. Schmeißt endlich Thilo Sarrazin aus der Partei

Wer behauptet, Intelligenz habe mit Genetik zu tun, der widerspricht jedem sozialdemokratischen Bildungsideal – dass nämlich ein Jeder/eine Jede den Aufstieg schaffen kann, sofern ihm/ihr die gleichen Bildungsvoraussetzungen geboten werden.

Da gibt es für Sozialdemokraten überhaupt nichts zu diskutieren.

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7. Schafft den Privatisierungs-Blödsinn ab

Riesterrente, Rürup-Rente? Public Private Partnership? Ihr habt lange genug Herrn Schröder unterstützt, als er >>zusammen mit seinem Provinz-Spezi Maschmeyer ein Konjunkturprogramm für die Versicherungsbranche aufgelegt hat. Inzwischen merkt jeder Depp, dass „privat“ eben nicht immer „besser, als Staat“ ist. Welche politische Kraft stellt sich heute dagegen, dass gegen jeden ökonomischen Sachverstand Versicherungskonzernen erlaubt wird, öffentliche Autobahnen zu kaufen und zu betreiben? Von den neoliberalen Grünen ist hierzu nichts zu erwarten.

Für echte Sozialdemokraten tut sich aber ein riesiges Feld auf, das momentan politisch kaum besetzt ist!

Und, wenn der ein oder andere SPDler der Entwicklung nicht folgen kann? Kein Problem: Soll er doch einfach zur FDP oder AfD übertreten und dort weiterhin seinen ideologischen Irrsinn verbreiten.

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8. Kümmert Euch um die Erbschaftssteuer, nicht um die Erben

In den kommenden Jahren werden in Deutschland Vermögenswerte im Wert von >>2,6 Billionen Euro vererbt werden. Wer zufällig in die richtige Familie hineingeboren wurde, der hat richtig Glück. Sozialdemokraten sollten sich aber derer annehmen, die nicht mit dem goldenen Löffel im Arsch auf die Welt gekommen sind.

Also: Erbschaftssteuer für leistungslose Einkommen erhöhen, um das Leistungsprinzip hoch zu halten!

Keine Angst: Um die verfettete Erbengeneration kümmern sich schon CDU, CSU, FDP, AfD, Grüne…

 

9. Bekämpft extreme Vermögens- und Einkommensunterschiede

Sozialdemokraten setzen sich doch für diejenigen ein, die durch Bildung und Arbeit ihre Verhältnisse stetig verbessern, oder? Wie kann es dann sein, dass der SPD nichts einfällt, wenn Konzernmanager 300 mal mehr verdienen, als ihre Angestellten? Und was ist, wenn >>10% der Bevölkerung 60% allen Vermögens einer Gesellschaft besitzen? Entspricht das dann immer noch dem sozialdemokratischen Leistungs-Ideal, oder ist das einfach nur ein Zeichen von Korruption, Selbstbedienungsmentalität und mangelhafter Besteuerung?

Na also, was gibt es da noch nachzudenken?

 

10. Wendet Euch gegen die Austeritätspolitik

Die SPD hilft mit bei der Rettung von Banken? Sie unterstützt ökonomische Null-Checker a la Wolfgang Schäuble und Angela Merkel? Die SPD plädiert für die gleiche Sparpolitik, wie sie unter Brüning seinerzeit schon mal krachend gescheitert ist… – ist nicht Euer Ernst, oder, Spezialdemokraten?

Schon vergessen? – Sozialdemokraten unterstützen Jene, die sich hocharbeiten wollen. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Wenn bis zu 60% der jungen Menschen in EU- (also in Partner-)Ländern arbeitslos sind, dann müsste das bei Sozialdemokraten die Alarmglocken klingeln lassen.

Da klingelt nichts? Na, dann gibt es auch keinen Grund Sozialdemokratie zu wählen.

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11. Werdet wieder progressiv

War die SPD in den 60er und 70er Jahren nicht einmal Vorreiter, die ein vollkommen verkorkstes Bildungswesen aus der Nachkriegszeit an den Pranger gestellt hat? Nun denn: Wer wird heute noch behaupten, das unsere Schulen mit Frontalunterricht, Unterrichtsbeginn um 8 Uhr und dreigliedrigem Schulsystem noch „up to date“ sind? Sorry, Preußen ist lange her. Es wird Zeit für völlig neue Konzepte. Und wer kann deren Vorreiter sein? Die planlose CDU bestimmt nicht. Die rückwärtsgewandte AfD schon gleich gar nicht. Die besitzstandswahrenden Grünen aber ebenso nicht. Also: Sozialdemokraten nach vorn!

Und was passiert eigentlich, >>wenn in 30 Jahren ein Drittel aller heutigen Jobs durch den technologischen Fortschritt weggefallen sind? Wird es da nicht dringendst Zeit, Arbeit von Steuereinnahmen zu entkoppeln? Zeit für ein bedingungsloses Grundeinkommen, das es allen ermöglicht, frei nach ihrem Talent und ihren Interessen zu agieren?

Ihr sucht nach Visionen, SPD? Da habt Ihr sie. Nehmt Euch ihrer an, bevor eine farblose Figur, wie Katja Kipping damit baden geht. Oder eine >>>neoliberale FDP solche Ideen bis zur Unkenntlichkeit pervertiert.

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12. Ermöglicht Bündnisse

Ja ja, „Opposition ist Mist“, wie es schon der korrupte Suffkopp aus Hannover formuliert hat. Aber abgesehen davon, dass Opposition sehr gut helfen kann, sich neu zu sortieren und zu profilieren: Wer hindert Euch daran, schon längst den Kanzler/die Kanzlerin zu stellen? Die bösen LINKEn…? Also die Partei, die voll ist von ehemaligen SPD-Mitgliedern?

Liebe Spezialdemokraten, seid einfach keine Pussies und tut das, was man üblicherweise in der Politik tut: Tauscht Euch miteinander aus und verhandelt. Gerade auch mit den LINKEn!

 

13. Werdet Rußlandversteher

Na, was hätte Willy Brandt wohl zum Ausdruck „Rußland-“ oder „Putinversteher“ gesagt? Fragt einfach Egon Bahr, die Interviews gibt’s ja alle noch auf Youtube.

Wo bleibt die relevante politische Kraft, die sich für einen Dialog mit Rußland, ja mit dem gesamten eurasischen Raum einsetzt? Wo bleiben die Politiker, deren geopolitisches Denken nicht erst 2014 beginnt? Wollt Ihr das alles rechten Wirrköpfen überlassen?

(So sieht es übrigens aus und hört sich an, wenn russische Pop-Künstler in ihren Liedern „Die Deutschen“ thematisieren. Hinweis an  alle Rechtspopulisten, die soeben ihre „Rußlandliebe“ entdeckt haben: in Rußland weiß man noch sehr genau, was der Begriff „Faschist“ bedeutet…)

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14. Werdet kompromißlose Pazifisten

Helmut Schmidt ist tot und damit ist der größte NATO-Versteher in der deutschen Sozialdemokratie aus dem Rennen. Jetzt ist es wieder Zeit für den gesunden Menschenverstand, der einem sagt, das die Bombardierung Jugoslawiens, des Irak, Afghanistans, Libyens und die stillschweigende Mithilfe im Syrien-Konflikt so ziemlich das Dümmste, und nebenbei: moralisch verwerflichste war, was man aus Deutschland heraus tun oder unterstützen konnte.

Zeit für eine radikal-pazifistische Haltung, die das Vakuum füllt, das die oliv-Grünen und ihr dümmliches Spitzenpersonal rund um Rebecca Harms, Marieluise Beck und Cem Özdemir schon lange nicht mehr kümmert.

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15. Und letztlich: Die sogenannte „Flüchtlings-Krise“

Die große Frage ist doch, wie man es schafft, Ausländer als große Bereicherung willkommen zu heißen, während man gleichzeitig eindeutige Regeln setzt und durchsetzt, vor allem in Form von Sanktionen für Fehlverhalten. Wie man den Islam als eine der großen alten Religionen respektiert und seine Anhänger schützt, während man gleichzeitig unser Rechtssystem unbeirrbar über den Religionen ansiedelt. Und wie man unsere kulturellen Errungenschaften wie Gleichberechtigung von Mann und Frau, schwul, lesbisch und hetero, agnostisch oder gläubig mit eiserner Hand verteidigt.

Nur, solange wir kein glaubwürdiges Konzept haben, wie man unsere Werte knallhart verteidigen kann, ist es völlig irrational, für eine Willkommenskultur ohne nennenswerte Bedingungen zu sein.

Leider gibt es keine Partei, die dies verfolgt – vielmehr findet die >>Diskussion auf einem erbärmlichen Niveau an den Extremen statt.

 

Liebe SPD, das waren fünfzehn Punkte, die Euch wieder zur Volkspartei werden lassen können – sofern Ihr Euch auf Eure Kern-Werte und auf Eure Historie besinnt.

Nicht mehr. Und nicht weniger.

Also Genossen, denkt mal darüber nach!

 

 

Hinweis: Der Autor war 1993 vor seinem Parteiaustritt der jüngste Juso-Kreisvorsitzende Deutschlands. Er ist heute noch stolz darauf, vom damaligen Ministerpräsidenten Niedersachsens in kleiner Runde als „Arschloch“ bezeichnet worden zu sein, das sein „Maul“ zu „halten“ habe.

 

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Die Krim – Ein Reisebericht


Und hier von einem sehr geschätzten Blogger: Ein hochinteressanter und lesenswerter Reisebericht aus dem Land des blutrünstigen Diktators… Nahezu jedes Wort über Moskau und St. Petersburg kann ich 1 zu 1 unterschreiben. Auf der Krim hingegen war ich leider noch nicht.

Gehen Sie mit den folgenden Zeilen auf eine kleine Reise hinaus aus der bundesrepublikanischen Käseglocke… Viel Spaß!

Gert Ewen Ungar

Meine Faszination für Russland ergibt sich unter anderem aus dem eklatanten Auseinanderfallen zwischen dem Russland, das ich vor Ort erlebe und der Darstellung Russlands in den deutschen Medien. Es tut sich hier für mich fast eine ethische Verpflichtung auf, das Land zu bereisen und darüber zu berichten, mehr aber noch, auch andere zum Besuch Russlands zu animieren, damit sie sich selbst ein Bild machen, und sich davon überzeugen können, wie verquer die hiesigen Medien in ihrer Berichterstattung sind.
Während Russland hier als Diktatur unter dem homophoben Diktator Putin beschrieben wird, der größenwahnsinnig und von niedrigsten Machtinteressen die Wiederherstellung der Sowjetunion anstrebt, erlebe ich Russland als Land im Aufbruch, das sich gerade von seinen historischen Erschütterungen erholt. Damit meine ich nicht nur den grausamen Überfall durch den deutschen Faschismus, der 27 Millionen Sowjetbürger das Leben kostete, auch nicht zunächst den Stalinismus, damit meine ich vor allem den neoliberalen Durchmarsch unter Jelzin…

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Fiedel-fiedel tüteli-tü


Freitag vor zwei Wochen fahre ich im Auto und höre Klassik-Radio. Ein Stück aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“. Fiedel-fiedel tüteli-tü – eingängiger, leichter Stoff. Fast schon Populärmusik. Eine Art „Rihannas Neunte“ für Gelegenheits-Klassikliebhaber.

Auf einmal stoppt die Musik und es folgt ein Wortbeitrag. Der Radiomoderator berichtet vom anstehenden Amerika-Gipfel in Panama und von der Annäherung zwischen den USA und Kuba. Er begrüßt im Studio eine Journalistin, die er als „Auslandskorrespondentin“ tituliert. Er richtet folgende Frage an sie (nahezu wörtliches Zitat):

Nun herrschte mehr als 50 Jahre lang völlige Eiszeit zwischen den USA und Kuba. Wie kommt es, dass sich jetzt auf einmal die USA auf ihren kleinen Nachbarn zu bewegen?

Antwort Auslandskorrespondentin: „Ja, in der Tat, 50 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Und Präsident Obama hat jetzt gesagt: `50 Jahre sind genug`. Und so warten wir nun alle auf den historischen Händedruck…

Aaaah ja… Der Herr sah, dass es gut war… (beziehungsweise: genug)… und das war dann schon die gesamte Erklärung für den Politikwechsel der USA gegenüber Kuba. Ich überschlage kurz aus meiner beruflichen Vergangenheit, was die Zielgruppe von Klassik-Radio war (besserverdienend, überdurchschnittlicher Bildungsgrad…) und denke darüber nach, was ich denn sonst so in den letzten Tagen über die Annäherung der USA an Kuba gehört oder gelesen hatte:

Eigentlich begegnete mir nur ein zweites, sehr häufig genanntes Deutungsmuster: Die Ursache für die neue Kuba-Politik der USA sei… der Papst. Und zwar, weil er so gerne Briefe schreibt.

Wer schreibt, der bleibt. Ob der Papst wohl auch Wohlfahrtsmarken benutzt? // Quelle: http://www.sueddeutsche.de/panorama/annaeherung-zwischen-kuba-und-usa-franziskus-der-vermittler-1.2272967

Wer schreibt, der bleibt. Ob der Papst denn auch Wohlfahrtsmarken benutzt? // Quelle: http://www.sueddeutsche.de/panorama/annaeherung-zwischen-kuba-und-usa-franziskus-der-vermittler-1.2272967

Nun hören sich diese Geschichten ja beide ganz nett und so herrlich simpel an. Doch habe selbst ich als weitgehend ahnungsloser und naiver Medien-Rezipient doch irgendwann einmal gelernt: Außenpolitik ist seit Je her reine Interessenpolitik. Das heißt, um Außenpolitik analysieren und erklären zu können, muß man sauber die jeweiligen Interessen der handelnden Parteien durch deklinieren. Im Falle der Annäherung der USA an Kuba stellen sich daher folgende Fragen:

  • Aus welchem Interesse nähern sich die USA an Kuba an?
  • Warum erfolgt diese Annäherung gerade jetzt?
  • Welche Ziele verfolgen beide Seiten bei dieser Annäherung?

Ich habe in keinem einzigen etablierten Medium in Deutschland gelesen/gehört/gesehen, dass diese Fragen gestellt worden wären.

Kann es vielleicht sein, dass die USA ihre weitgehende Isolation in Lateinamerika aufbrechen möchten? Möchte man verhindern, dass Rußland Mittelstreckenraketen auf Kuba stationieren könnte und damit die USA in die gleiche peinliche Lage bringen würde, in die die NATO Rußland gebracht hat? Oder was auch immer…?

Nur die alternativen Medien (youtube-Kanäle zum Beispiel) geben Erklärungsversuche und Analysen – die dann natürlich von den etablierten Medien wieder kurzerhand als „Verschwörungstheorien“ abgestempelt werden können.

So bleibt nur festzustellen:
Obama gibt bekannt, dass die USA ihre Kuba-Politik radikal ändern – und die deutschen Journalisten so: „Määäh….

Na, wenn das alles auf diesem Niveau abläuft, dann doch lieber: fiedel-fiedel tüteli-tü.

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