VWL in der Krise – Teil 1: Wo, bitte, geht´s zum „freien Markt“?


Wer hat vor 10 Jahren die Finanzkrise prognostiziert? Wer hat rechtzeitig vor einem Niedergang der Hypothekenmärkte in den USA gewarnt? Wer hat die Turbulenzen der weltweiten Anleihenmärkte vorhergesehen? Und wer hat rechtzeitig weitergedacht und vor einer sich entwickelnden Währungskrise gewarnt?

Ihnen fallen dabei kaum Namen ein? Seltsam.

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Seit Jahren können wir beobachten, dass die wichtigsten volkswirtschaftlichen Modelle unserer westlichen Welt permanent und drastisch versagen. So spricht Heiner Flassbeck, Chefökomon der UNO-Organisiation für Welthandel (UNCTAD) in deutlichen Worten davon, dass viele seiner Kollegen schlicht „unfähig“ seien „die Welt angemessen zu deuten“.

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Und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman stellt ernüchtert in der New York Times fest, dass „wir scheinbar ein Heer von ´Experten´ haben, deren Expertise noch nicht einmal ausreicht, um die kommenden 6 Monate ausreichend sicher zu prognostizieren.“

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Dabei waren wir doch noch vor wenigen Jahren stolz darauf, die Volkswirtschaften in der westlichen Welt so richtig gut im Griff zu haben: Mit dem Niedergang der UdSSR schien „das Ende der Geschichte“ erreicht, wie Francis Fukuyama in schönster hegelscher Tradition noch Anfang der 90er Jahre postulierte. Die Inflation sei „besiegt“ (Alan Greenspan) und londoner Investmentbanker wurden als die „Masters of the Universe“ gefeiert, die die „Globalisierung“ so wunderbar im Griff hätten.

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Die „unsichtbare Hand“ und der „Homo oeconomicus“

Ein paar Jahre später sieht dieses Bild freilich ganz anders aus: während draußen Währungskriege mit Hilfe von irreführenden Ratings ausgetragen werden, während Börsen verrückt spielen, abwechselnd mal Gier, dann wieder blanke Panik die Finanzmärkte auf Achterbahnfahrt schickt, während manche Länder ihre Banken retten, Staaten scheinbar in Schulden versinken, Rettungspakete im Eildurchlauf durchgewunken werden, Milliarden zu Billionen werden.

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Während gleichzeitig niemand eine Vorstellung davon hat, was in zwei Monaten, geschwiege denn in zwei Jahren sein wird und das Chaos kaum größer sein könnte – ja, genau zur selben Zeit sitzen VWL-Studenten in unseren Hörsälen und lernen, dass die „unsichtbare Hand des Marktes“ (Adam Smith) immer zu einem Gleichgewicht führe und die „Märkte“ stets effizient und perfekt ausbalanziert seien.

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Und sie berechnen mit den mathematischen Modellen der Neoklassik Szenarien für eine Welt, in der sich lauter „Wirtschaftssubjekte“ tummeln, die als „Homo Oeconomicus“ in freien Märkten grundsätzlich rational handeln.

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Nicht wenige dieser Studenten reiben sich verdutzt die Augen und fragen sich in welcher Welt sie denn da wohl gelandet seien – so offensichtlich ganz weit entfernt von jeder Realität.

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Neoklassik dominiert seit 30 Jahren die Volkswirtschaftslehre

Die Theorie des „Homo Oeconomicus“ ist eines der zentralen Elemente der Neoklassik, einer Lehrmeinung in der Volkswirtschaftslehre. Die „neoklassische Theorie“ war bereits bis zu den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts dominierend und wurde gerne von den meisten Ökonomen angewandt. Wichtige Grundthesen dieser Theorie sind:

  • Der Wert eines Gutes ergibt sich stets aus Angebot und Nachfrage (Grenznutzentheorie).

  • Wirtschaftssubjekte, wie z.B. Menschen handeln, indem sie Vorteile und Nachteile für sich abwägen und dann rational für sich entscheiden (z.B. bei einer Kaufentscheidung).

  • Märkte streben grundsätzlich und immer eine innere Ausgeglichenheit/Gleichgewicht an.

  • Dies geschehe durch eine „unsichtbare Hand des Marktes“ – eine Theorie die noch auf das 18te Jahrhundert und Adam Smith zurückgeht.

Die Neoklassik entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur dominierenden Wirtschaftstheorie, wohl unter anderem deshalb, weil man mit ihrer Hilfe die Welt so herrlich einfach darstellen (Simplifizieren) konnte und, weil es einer großen Zahl von Wissenschaftlern gelang, aus dieser Theorie die unterschiedlichsten Rechenmodelle abzuleiten (jeder VWL-Student wird jetzt innerlich aufstöhnen…), was dem Ganzen einen wunderbar pseudo-naturwissenschaftlichen Anstrich und die Illusion vollkommener Kalkulierbarkeit gab.

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Im Zuge der Weltwirtschaftskrise geriet die neoklassische Theorie in den 1920er Jahren zunehmend in Verruf, denn ihr wurde zurecht vorgeworfen, dass sie weder die Krise vorhergesehen habe noch diese Krise ausreichend erklären könne. – Die mathematischen Modelle erwiesen sich als weitgehend wertlos.

Und in der Tat fallen die Mängel der neoklassischen Theorie jedem Betrachter sofort ins Auge:

Menschen fällen ihre wirtschaftlichen Entscheidungen, wie z.B. Kaufentscheidungen eben NICHT rational. Dies wird nicht nur jeder halbwegs selbstkritische Autokäufer sofort bestätigen können, sondern es entspricht auch dem Stand der psychologischen Forschung:

Ein Amerikaner, der noch im Jahr 2006, auf dem Gipfel der Immobilieneuphorie ein neues Haus gekauft und es gleichzeitig zu 120% finanziert hat, der hat dies sicherlich nicht getan, weil es rational sinnvoll war, nach über 200% Preissteigerung jetzt noch zuzugreifen.

Ein Deutscher, der 1999 eine EM.TV-Aktie bei einem Kursstand von 2.000 DM nach mehr als 1000 % Kurssteigerung gekauft hat, der hat dies auch sicherlich nicht getan, weil erzuvor klug, ruhig und sachlich die PRO´s und CONTRA´s abgewogen hatte.

Wer sich heute in Deutschland eine vermietete Wohnung zulegt und, wie teilweise in München, das über 35-fache einer Jahresmiete dafür auf den Tisch legt, der handelt nicht rational, sondern aus Ratlosigkeit, Angst, Panik, oder anderen emotionalen Motiven.

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Die Theorie der freien Märkte, die zu perfekter Preisbildung und Ausgleich führen klingt bestechend, aber: Wo, bitte, gibt es diese Märkte?

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Sind damit etwa die Edelmetallmärkte gemeint, die so drastisch marktmanipuliert werden, dass man die Manipulationen täglich fast auf die Minute genau vorhersagen kann?

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Sind damit die CDS-Märkte gemeint, die im Wesentlichen von 5 großen (Ex-)Investmentbanken aus dem angelsächsischen Raum beherrscht werden?

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Ist damit der deutsche Strommarkt gemeint, den sich 4 große Stromkonzerne untereinander aufteilen?

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Oder meinen wir vielleicht den deutschen Arbeitsmarkt, in dem durch politische Einmischung täglich einem Großteil der Marktteilnehmer eine der wichtigsten Freiheiten, die Vertragsfreiheit, genommen wird, indem sie unter Androhung von Sanktionen in Jobs hineingezwungen werden?

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Ist es marktliberal, wenn Europa Handelsschranken gegen die dritte Welt kultiviert, China Strafzölle gegen ausländische Autos erhebt und die USA eine (!) Weltleitwährung etabliert haben?

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Und ist es etwa marktliberal, wenn der wichtigste Preis in unserem System, nämlich der Preis des Geldes, also der Zins, sich keinesfalls frei bildet, sondern planwirtschaftlich zentral durch eine Zentralbank festgelegt wird??

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Egal, wo wir hinsehen, müssen wir feststellen, dass in Märkten, die ursprünglich eventuell mal dem Ideal „freier Märkte“ annäherungsweise entsprachen, sich rasch Oligopole bilden, die das Marktprinzip und damit auch die Preisfindung ad absurdum führen – Walter Eucken lässt grüßen.

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Wir müssen ferner feststellen, dass wir gerade in wesentlichen Grundpfeilern unseres Finanz- und Wirtschaftssystemes mitnichten marktliberale Strukturen haben (so z.B. bei der Preisbildung des Geldes, also beim Zins).

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Vielleicht müssen wir eines Tages feststellen, dass die Idee von „freien Märkten“ in der Theorie zwar sehr eingängig ist, in der Praxis aber vollkommen der menschlichen Natur wiederstrebt und damit vollkommen unrealistisch, ja geradezu traumtänzerisch ist, weil der Mensch immer und zu jeder Zeit und in jedem System selbstverständlich versuchen wird, in Märkte einzugreifen, Märkte zu erobern, Marktmacht zu erlangen.

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Nun ist die Grundidee des freien Marktes aber das zentrale Fundament des Kapitalismus… wir erinnern uns: auch im Kommunismus gibt es eine Grundidee, die sich als vollkommen wider die menschliche Natur herausgestellt hat: nämlich die Vorstellung, dass der Mensch dauerhaft in und für eine große Kommune arbeiten wolle, ohne selber von seiner Leistung zu profitieren.

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Diese Idee ist krachend gescheitert, was fast jeder bestätigen kann, der in einem „VEB“, in einem „Kombinat“ oder in einer „Kolchose“ tätig war und täglich erleiden musste, dass es in seiner Arbeitsgruppe immer ganz Wenige gab, die richtig fleißig und kreativ waren, während sich die Mehrheit der Kollegen in Mittelmäßigkeit und „Mitschwimmen“ ergehen konnten.

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Vielleicht werden wir eines Tages feststellen müssen, dass sowohl der Kommunismus mit seiner Vorstellung des „Kollektivs“, wie auch der Kapitalismus mit seiner Vorstellung des „freien Marktes“ nette Theorien waren, die in der Praxis aber einfach nicht funktionieren, weil die Theorien zu realitätsfern waren.

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Und vielleicht sollte dieser Tag bereits heute sein. Damit wir, fernab von ideologischen Verblendungen ohne Tunnelblick nach einem neuen, einem dritten Weg suchen können.

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Spare! Endlich richtig!


Wenn Sie dieses Blog schon ein wenig länger verfolgen, ist Ihnen sicherlich schon aufgefallen, daß ich bewußt viele der Glaubenssätze relativiere, an die wir uns in unserem Finanzsystem „einfach so“ gewöhnt haben. So betone ich beispielsweise immer wieder, daß das, was wir seit ein paar Jahrzehnten als „Geld“ bezeichnen und was wir ständig horten und kumulieren, nur wenig Beachtung und nicht den geringsten Respekt verdient (>>Haben Sie schon echtes Geld?)

Passend dazu stellte in einem Kommentar auf dieser Seite vor wenigen Tagen ein interessierter Leser folgende Fragen auf:

  • „Wieviel und wofür genau sparen? Ist es sinnvoll, für eine konkrete Anschaffung wie ein Auto oder eine Immobilie zu sparen? Sollte beim Sparen ein gewisser Zeithorizont und eine gewisse Zielsumme festgelegt werden? Oder ist Sparen insbesondere dann sinnvoll, wenn das Ziel völlig diffus ist? Wenn völlig unklar ist, wie hoch die notwendige Summe ist, und wann sie erreicht ist?“

Damit hier kein Mißverständnis aufkommt: ich bin ein glühender Verfechter des Sparens! Denn, was heißt „Sparen“ denn konkret?

Monat für Monat generieren wir alle ein gewisses Einkommen. Aber, genauer betrachtet: Erhalte wirklich „ich“ mein Einkommen? – Mitnichten. Es fließt zwar Geld, und zwar direkt zu…

  • meinem Vermieter
  • meiner Autoversicherung
  • meinem Supermarkt
  • meiner Krankenkasse
  • meiner Bank (wenn ich Zinsen zahlen muß)
  • meiner Ex-Frau (sofern vorhanden)
  • und und und…

Ein ganz großer Teil unseres Einkommens ist nichts weiter, als ein durchlaufender Posten.  Wir sehen und erleben dieses Einkommen noch nicht einmal haptisch (anfassbar, fühlbar), sondern wir nehmen es, wenn überhaupt nur hin und wieder wahr als schwarze Zahlen auf weißem Papier.

So, und wenn es denn so ist, daß ich mit dem, was ich monatlich generiere alle möglichen Leute und Institutionen bezahle, wann bin denn dann mal ICH dran? Wann bezahle ICH MICH?

Und hier kommt nun das regelmäßige Sparen ins Spiel. Wenn ich in der glücklichen Situation bin, daß nach dem Bezahlen aller möglichen Verbindlichkeiten noch ein freier Geldbetrag übrigbleibt, dann kann ich endlich mal denjenigen bezahlen, der für dieses Einkommen gerackert hat: nämlich ICH!

Das, was Sie in einem Monat sparen ist also das, was SIE SICH SELBER bezahlen! – Und, wofür soll das ganze Streben und Arbeiten schon gut sein, wenn nicht dafür, SICH SELBER zu belohnen?

Daher gilt:

  • Genießen Sie es, wenn Sie soweit sind, daß Sie sich endlich selbst bezahlen können!
  • Bezahlen Sie sich so gut wie möglich! Sie haben es sich verdient!
  • Sie sehen also: Sie können gar nicht genug sparen! Je mehr, desto besser und gerechter für Sie selber!

Nun stellt sich natürlich die Frage: Was fange ich mit dem an, was ich mir selbst bezahle?

Nun, prinzipiell gilt: Machen Sie damit, was Sie wollen und lassen Sie sich von nichts und niemandem unter Druck setzen – Es ist IHR Verdienst und über diesen bestimmen auch nur SIE SELBST!

Vielleicht sollten Sie sich mit Ihrem Verdienst etwa ganz besonders Wertvolles leisten? Und was ist das Wertvollste, was wir Menschen in unserem Leben besitzen können? Smartphones, Ferraris, Bausparverträge, Häuser, Ruhm, Ansehen bei den Nachbarn, teure Kleidung…?

Weit gefehlt. Das Wertvollste, das wir Menschen in unserem Leben besitzen ist schlicht und einfach:

ZEIT

Wie wäre es also wenn Sie sich für das Gehalt, das Sie sich selber bezahlen, das wertvollste denkbare Gut schenken würden?

Damit wären wir beim Sparen als „Zeitkonserve“. Sie können sich nämlich mit regelmäßigem Sparen einen Teil Zeit aufheben, den Sie in späteren Jahren  zur freien Verfügung haben… das ist das ganze Geheimnis hinter der Idee „für später, fürs Alter“ zu sparen.

Wie wäre es zum Beispiel, wenn Sie sich soviel bezahlen würden, daß Sie schon mit 50 in den Ruhestand gehen können? Oder erst einmal soviel, daß Sie eine einjährige Auszeit  mit Ihrem Arbeitgeber vereinbaren können, damit Sie auf eine 12-monatige Weltreise gehen können…

Sie müssen zugeben: Das wäre doch ein guter Plan, eine unglaublich motivierende Perspektive, oder?

Nun, dann brauchen Sie aber dazu auch ein Vehikel, das es Ihnen ermöglicht „Zeit zu konservieren“, also irgendeine Spareinlage, für die Sie auch noch in zwei, drei, vier Jahrzehnten ungefähr soviel realen Gegenwert bekommen, wie heute!

Und jetzt überlegen Sie mal: Welche Arten von Spareinlagen konnten in den letzten Jahrhunderten ihren realen Gegenwert erhalten?

  • Die Lebensversicherung?
  • Das Sparbuch?
  • Das Geld unterm Kopfkissen?
  • Das Bargeld?

Oder waren es vielmehr:

  • Gold und Silber
  • Land und Grundstücke
  • Aktien und Unternehmensbeteiligungen?

Auch auf die Gefahr hin, daß Sie es bald nicht mehr lesen können: SACHWERT SCHLÄGT GELDWERT!

Geldwert ist alles, was vom Wert des Geldes abhängig ist. Sachwert ist alles, was real existiert und, unabhängig vom Geld, einen eigenen inneren Wert besitzt.

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Fazit

Sparen heißt sich selbst bezahlen und ist nicht langweilig, sondern so ziemlich das sexieste, was ein Mensch im Kapitalismus mit seinem Einkommen machen kann.

Und, wenn Ihnen Ihr Finanzberater erzählen möchte, beim Sparen gehe es nur darum, irgendwelche imaginären „Versorgungslücken“ zu schließen, die vielleicht mal in 30 Jahren auf Sie zukommen könnten… Zeigen Sie ihm ein Lächeln! 😉

 

Haben Sie schon echtes Geld?


Am vergangenen Freitag ist es an den Börsen weltweit erstmals seit langer Zeit wieder zu einer Entwicklung gekommen, die „normalerweise“ idealtypisch sein sollte in Phasen des allgemeinen Vertrauensverlustes und der Unsicherheit:

  • Aktienmärkte runter
  • Rohstoffpreise runter
  • Anleihenkurse runter (!)
  • Edelmetallpreise rauf (!)

Die Betonung liegt hier vor allen Dingen auf den beiden letztgenannten Phänomenen! In Zeiten wie diesen, in denen…

  1. unaufhörlich und immer schneller die Basisgeldmengen aller großen Währungen aufgepumpt werden
  2. Staaten weltweit (ob objektiv berechtigt oder nicht) von Zahlungsunfähigkeit bedroht sind
  3. Verschuldungen übers Ganze betrachtet exponentiell steigen
  4. Von Seiten der Verantwortlichen und auch der Bevölkerungen weder Verständnis, noch ein Plan, noch eine Ahnung für eine Lösung der Herausforderungen erkennbar ist

…müßte eigentlich noch der letzte Vermögensinhaber und Sparer erkennen, daß die Parameter, unter denen sein Vermögen bisher als „sicher“ galt zunehmend zu Staub zerfallen. Dies gilt vor allem für einen Grundparameter: Für den fast schon religiös anmutenden Glauben an „das Geld“.

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Modernes „Geld“ als Ursache für Finanzblasen

Seitdem es „Banknoten“ (also Papiergeld) gibt, waren diese in der Regel immer durch Silber oder durch Gold gedeckt. „Gedeckt“ heißt, dass z.B. zu Zeiten der Golddeckung für jeden neugeschaffenen US-Dollar eine feste Menge Gold bei der Zentralbank hinterlegt wurde. Wer einen US-Dollar in der Hand hielt und dem (Papier-)Schein nicht ganz traute, der konnte jederzeit zur Zentralbank gehen und seine Dollar-Banknote gegen die hinterlegte Menge Gold eintauschen. Die Golddeckung führte also dazu, dass

  1. das Geld nicht beliebig vermehrbar („nachdruckbar“) war und
  2. das Geld einen fest definierten inneren Wert besaß.

Der historische Einschnitt kam 1971, als in den USA unter Präsident Nixon die Goldbindung des US-Dollars vollständig abgeschafft wurde! Seitdem leben wir in einem in der Menschheitsgeschichte völlig neuen Experiment: Alle großen Währungen (USD, Euro, alte DM, Yen, seit einigen Jahren auch der SFR) sind durch nichts mehr verbindlich gedeckt! Wir Leben also in einem System aus ungedecktem Papiergeld – ein Geld, das keinen definierten inneren Wert mehr hat.

Von den meisten wird noch nicht registriert, daß das, was wir heutzutage als „Geld“ bezeichnen nichts weiter ist, als vollkommen wertloses Papier, bunt bedruckt, beliebig vermehrbar, durch „Regeln“ organisiert, die jederzeit willkürlich geändert werden können (und auch werden), in Währungskriegen angreifbar, im realen Gegenwert jederzeit veränderbar und nur zusammengehalten vom „Vertrauen“ bzw. vom „Glauben“ daran.

Die Basisgeldmenge (also das Geld, das von der Zentralbank dem Gesamtsystem zur Verfügung gestellt wird) im US-Dollar / Quelle: Wikimedia

Genau dieses „Vertrauen“ (in Europa: das Vertrauen in Fortbestand und die Werthaltigkeit des Euro, in den USA: Das Vertrauen in den USD, in Rußland: das Vertrauen in den Rubel) nimmt

  • hörbar (Unterhalten Sie sich mit den Leuten „auf der Straße“),
  • spürbar (Fühlen Sie das zunehmende Mißtrauen untereinander)

und intellektuell nachvollziehbar von Monat zu Monat, ja sogar von Woche zu Woche immer mehr ab.

Auch, wenn die Zahl derer noch klein ist, so wächst sie doch rasant, die beginnen zu begreifen, daß das, was sie für „Geld“ halten, etwas ist, was dauerhaft absolut nicht werthaltig ist und, solange es beliebig vermehrbar ist, auch gar nicht werthaltig sein kann.

Kaufkraftverlust des Dollars

Kaufkraftverlust des US-Dollars in den letzten Jahrzenten. Klar erkennbar: Dieses „Geld“ taugt als dauerhafter Wertspeicher rein gar nichts!

Die aktuelle Eurokrise ist nur die Spitze des Eisbergs: Die Überschuldung von z.B. Staaten – und hier rede ich von Europa UND noch viel mehr von den USA! – ist ein Symptom einer weitreichenden Krise des Geldsystems.

Das heutige Geldsystem funktioniert nach planwirtschaftlichen Prinzipien: Geld entsteht im Rahmen eines Kreditschöpfungsaktes durch monopolisierte Zentralbanken, ohne dass das „Geld“ einen materiellen inneren Wert besitzt. Geldguthaben sind also nur die Kehrseite von Schulden, denn  jeder Geldeinheit steht in diesem System immer eine Zinsforderung entgegen – ohne, dass der Zins überhaupt geschaffen wird.

In der Gesamtbetrachtung ist dieses System auf eine permanente „Aufschuldung“ angewiesen – nur so können die Zins- und Tilgungszahlungen finanziert werden. Mathematisch betrachtet handelt es sich somit um eine klassische Zinseszinsfunktion, also um eine Exponentialfunktion.

Nur solange der Geldschöpfung ein entsprechendes Wachstum der Realwirtschaft entgegen steht, kann das System funktionieren. Eine weitere Voraussetzung ist die unbedingte Unabhängigkeit der Zentralbanken von jeglichem politischen Einfluss. Beide Bedingungen sind weder im US-Dollar- noch im Euro-Raum erfüllt.

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Anleihenmärkte: größte Blase in der Geschichte der Menschheit?

Die Erkenntnis der fehlenden Werthaltigkeit wird über kurz oder lang dazu führen, daß sich die Menschen massenhaft von allem zurückziehen werden, was mit beliebig vermehrbarem „Papier“ bzw. „Geld“ zu tun hat. Und dies wird der wichtigste Grund sein, weshalb die sich immer stärker aufblähenden Anleihenmärkte (z.B. die Märkte für Staatsanleihen) später einmal wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen werden.

Es macht eben zum Beispiel rein objektiv keinen erkennbaren Sinn, daß heute noch massenhaft Anlegergeld in US-Staatsanleihen strömt, also in die Anleihen eines Staates, der bei genauer Betrachtung bereits bankrott ist. Die Tatsache, daß Investoren der Bunderepublik Deutschland mittlerweile zu null Prozent Zinsen Geld leihen, kann höchstens als Zeichen blanker Panik, mangelnder Anlagealternativen oder vielleicht noch als massenhafte Spekulation auf einen Zerfall des Euro gewertet werden (die Spekulation ist, daß bei einem Euro-Zerfall die Anleihen der Bundesrepublik wohl kurzfristig enorm aufwerten würden). – Nachhaltig, sinnvoll oder „in die Zukunft gedacht“ ist dies jedoch sicherlich nicht.

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Doch was ist die Alternative?

Die klassische Alternative zum heutigen (Papier-) Geld ist das „traditionelle Geld“, also das, was…

  1. bereits seit rund 4 Jahrtausenden als Tauschmittel genutzt wird und
  2. nicht beliebig vermehrbar ist

…somit also die beiden Edelmetalle Silber und Gold. Das Vertrauen in etwas, was bereits seit mehr als 4 000 Jahren Vertrauen genießt, wird wohl etwas länger überdauern, als der Glaube an ein Papiergeldexperiment, das in seiner jetzigen Ausprägung z.B. im europäischen Raum erst seit rund 80 Jahren existiert.

Daher wird es sich früher oder später logisch so zutragen, daß mit zunehmender Unsicherheit an den weltweiten Märkten

  • die Anleihenkurse verfallen und
  • die Edelmetallpreise explodieren werden.

Warum passiert dies aber nicht schon längst?

Nun zum einen muß man feststellen, daß das Vertrauen der Anleger weltweit in die Währungen und in die Staatsanleihenmärkte eben doch noch nicht so weit erschüttert ist, wie manche Panik-Schlagzeile es manchmal suggerieren will.

Zweitens ist unser gesamtes Finanzsystem komplett auf Papier und Papiergeld gepolt: So kann zum Bespiel eine Versicherungsgesellschaft einen Großteil ihrer Anlegergelder nicht in Silber und Gold anlegen, sondern sie MUSS in Staatsanleihen investieren – ganz einfach, weil es ihr der Gesetzgeber durch das Versicherungsaufsichtsgesetz  so vorschreibt. Erst, wenn die Versicherungskunden in Massen aus ihren Riesterrenten flüchten werden, weil sie erkennen, daß diesen großteils  nichts, als Papier unterliegt; erst, wenn Versicherungskunden daraufhin massenweise eine Unterlegung in „realen Werten“ fordern werden, erst dann ist damit zu rechnen, daß der Gesetzgeber reagiert, um die dann strauchelnde Lebensversicherungsbranche nicht untergehen zu lassen.

Aber selbst dann bleibt noch ein ganz praktisches Problem: Es gibt so verdammt wenig von dem realen, traditionellen Geld, also von Silber und Gold. So betrug z.B. im Jahr 2010 das weltweite Volumen handelbaren Silbers gerade mal nur 18 Milliarden US-Dollar! – Der weltweite Berg an (Papier-)Derivaten beträgt jedoch mittlerweile die schier unglaubliche Summe von 700 Billionen (!) US-Dollar! Auch, wenn diese Betrachtung stark vereinfacht ist, demonstriert alleine diese Zahl, wie explosionsartig sich zum Beispiel der Preis von Silber verändern könnte, wenn irgendwann im großen Stil ein Roll-back im Denken, weg von Papier, hin zu traditionellen Werten stattfindet.

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Fazit:

  • Die Erkenntnis, daß das aktuelle „Papiergeld“ in sich nicht werthaltig ist, wird meiner Meinung nach über kurz oder lang in der Masse der Anleger ankommen.
  • Dies wird zu einer Rückbesinnung hin zum „traditionellen, echten Geld“, also zu Silber und Gold führen.
  • Daher ist heute bereits jeder kritische Anleger gut beraten, zumindest einen überschaubaren Anteil seiner Geldanlagen in das „echte Geld“ umzutauschen.
  • Hierbei geht es nicht um eine Spekulation auf höhere Preise, sondern schlicht um die Frage, was auch in 10, 20 Jahren noch werthaltig sein wird.

Kein Mensch weiß, ob, wann und wie der Rückbesinnungsprozess auf das traditionelle, echte Geld ablaufen wird. Und solche Tage wie der letzte Freitag, an dem Papier beginnt zu fallen und parallel dazu Edelmetalle im Wert steigen, wird man über Marktmanipulationen auch in Zukunft vorerst noch regelmäßig verhindern können.

 

Video-TIP: Wie funktioniert Geld?


Max von Bock, ein offenbar hochtalentierer Absolvent der FH Aachen, hat als Diplomarbeit einen brillianten und äußerst charmanten Film zu obiger Frage gemacht. Er hat die Geschichte des Geldes sehr einfach, klar und gut nachvollziehbar dargestellt.

Lassen Sie sich diesen kleinen Film nicht entgehen. Sie werden nach insgesamt 14 Minuten unser Geld und unser Bankensystem mit anderen Augen sehen. Versprochen!

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