Uncle Sam sorgt für uns


Im Konflikt des Westens mit Russland um die Ukraine geht es auf westlicher Seite einmal mehr um den billigen Zugriff zu Öl- und Gasreserven.

Wir (also die gesamte Weltbevölkerung) verbrauchen mittlerweile rund 88 Millionen Barrel Öl… pro Tag!

  • Das sind rund 14 Milliarden Liter Rohöl… pro Tag!
  • Zum Vergleich: vor rund 60 Jahren lag der weltweite Verbrauch täglich noch bei weniger als einem Zehntel, nämlich bei 6 Millionen Barrel (954 Mio. Liter).

Der Schweizer Historiker und Friedensforscher Dr. Daniele Ganser zitiert diese Zahlen in seinem Buch „Europa im Erdölrausch“. Er beschreibt nachdrücklich, dass es auch bei den Konflikten in Georgien, Lybien, Syrien, im Irak und in Afghanistan um nichts anderes ging, als darum uns, also der „westlichen Welt“ auf Jahrzehnte hinaus Zugriff auf natürliche Ressourcen (billig!) zu sichern. Ganser nennt diese Kriege bzw. die vermuteten verdeckten Operationen dahinter schlicht „Erdöl-Beutezüge“.

Rohölverbrauch weltweit

Quellen: IEA (Internationale Energie Agentur) Bericht 2012 / Statistisches Bundesamt / http://www.welt-in-zahlen.de

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In meinem Artikel zur Zypern-Krise (->> Was Zypern uns zeigt) konnten Sie nachlesen, wie es bei der „Finanzkrise“ Zyperns im Wesentlichen um einen geostrategischen Kampf ging, der zwischen der EU/USA und Russland ausgefochten wurde und wird.

Der vom Börsenmakler zum Bestsellerautor gewandelte Dirk Müller beschreibt in seinem Buch „Showdown: Der Kampf um Europa und unser Geld“, ausführlich die geostrategischen Interessen, die hinter der Aufnahme Griechenlands in die EU und bei der nachfolgenden „Griechenland-Rettung“ hauptsächlich verfolgt wurden.

Kurz gesagt: Wer das Mittelmeer und das Schwarze Meer beherrscht, der hat Zugang zu schier unendlichen Gasreserven und kann dazu Pipelines vom Nahen und Mittleren Osten in den Westen schicken. Im Umkehrschluß: Wer in diesen beiden Meeren und ihren umliegenden Regionen nichts zu sagen hat, der läuft Gefahr, in Energieknappheit zu geraten und mehrfach höhere Preise für Öl, Gas und Benzin zahlen zu müssen.

Die Strategien liegen offen auf dem Tisch

In den USA spricht man über diese Interessenlage wesentlich offener, als bei uns in Europa. Die im Jahre 2000 veröffentlichte amerikanische Militärdoktrin „Joint Vision 2020“ gibt klar das Ziel vor, US-amerikanisches Militär weltweit und parallel an mehreren Orten einsetzen zu können, um eine „full-spectrum dominance“, eine Überlegenheit auf breiter Front zu erreichen. Ziel ist es, den USA und deren Verbündeten permanenten, uneingeschränkten Zugriff auf alle Lebens- und wirtschaftlich notwendigen Rohstoffe zu ermöglichen.

Der ehemalige US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzeziński (85), beschrieb in seinem 2004 erschienenen Buch „Die einzige Weltmacht: Amerikas Strategie der Vorherrschaft“ (in den USA ein Bestseller, in Europa leider nahezu unbekannt) in sehr klaren Worten, was zu tun sei, um Rohstoffwege zu sichern und „unsichere Mächte“ zu bannen:

  • ein besonderes Augenmerk sei zu richten auf die Länder Mittelasiens (Kasachstan, Aserbaidschan, Georgien),
  • Einbindung der Ukraine in den Westen,
  • Regimewechsel in Syrien und Lybien,
  • eine weiche Linie gegenüber dem Iran mit dem Ziel eines Regimewechsels und
  • eine Isolation und Entmachtung Russlands durch Einkreisung

(ganz nebenbei: Afrika spielt in der Gedankenwelt Brzezińskis ebenfalls eine gewaltige Rolle – lesen Sie es nach, und Sie werden die ein oder andere Schlagzeile aus manchem afrikanischen Land besser verstehen können).

Ein bewährtes Strickmuster

Laut solcher US-Strategen wie Brzeziński geht es nicht darum, all diese Länder einzunehmen, sondern es reicht, sie zu kontrollieren, sie gefügig zu machen. Dies gelingt, indem man sie finanziell abhängig macht und wichtige Industrien der Länder unter die Kontrolle eigener Konzerne bringt. Der US-dominierte IWF spielt hier eine tragende Rolle, mit immer wieder den gleichen Rezepten:

  • Forcierte Verschuldung, an der multinational agierende Banken hervorragend verdienen,
  • danach „Ausgabendisziplin“, was gleichbedeutend ist mit der massenhaften Verarmung großer Teile der Bevölkerung und dem Ausbruch von Chaos im Inneren.
  • Schließlich: Privatisierung, also das Ausweiden des Staates mit dem Ziel große Teile des Volkseigentums in private Hände zu überführen (siehe auch: Naomi Klein, „Die Schock-Strategie„)

Ein Musterbeispiel für diese Strategie war Russland in den 90er Jahren unter Boris Jelzin: Mehr oder weniger kriminelle Oligarchen (sogenannte „Biznezmenji“) rissen sich in einer Privatisierungsorgie ehemals staatliche Betriebe unter den Nagel, die Ungleichheit, der innere Unfrieden und die Auslandsverschuldung stiegen gewaltig an.

Für sehr viele Russen war das, was sich unter den wohlwollenden Augen des Westens unter dem Label „Freiheit und Demokratie“ in Rußland abspielte, der reinste Alptraum.

Jelzin-Nachfolger Vladimir Putin war dagegen ein Alptraum für westliche Geostrategen und auch für viele in- und ausländische Konzerne: seine Administration

  • stellte Schlüsselindustrien unter staatliche Kontrolle,
  • jagte die schlimmsten Oligarchen aus dem Land (und/oder ließ sie strafrechtlich verfolgen) und
  • senkte die Verschuldung Russlands auf Werte (weniger als 20% des BIP), die praktisch kein anderes Land in Europa auch nur ansatzweise erreicht.

Gut für Russland – aber schlecht für uns, die wir kein Interesse daran haben können, dass uns ein immer unabhängiger agierendes Land irgendwann unsere Gaspreise diktieren kann.

Somit ist das, was die USA seit Jahren tun, nämlich Kriege in strategisch wichtigen Ländern und Regionen anzuzetteln, absolut in unserem Interesse – und zwar dann, wenn wir in Zukunft nicht das Fünffache für Benzin, Öl und Gas bezahlen möchten.

„Wir schicken unsere Kinder in den Tod – und Ihr?“

Aus Sicht vieler US-Amerikaner ist das Austragen dieser Konflikte gleichbedeutend mit einer Wohltat gegenüber den Europäern: „Wir sichern uns und Euch die Rohstoffe für die nächsten Jahrzehnte. Wir schicken dafür unsere Kinder in den Krieg und lassen sie sterben. Und was macht Ihr? Ihr schimpft auf uns und jammert ständig nur rum!“ Solche Meinungen habe ich sinngemäß schon in mehreren Gesprächen mit US-Bürgern zu hören bekommen (na gut, so ganz tatenlos sind wir hier in Deutschland ja auch nicht: immerhin haben wir einen ukrainischen Boxer auf dem Weg zum Oppositionsführer über die Konrad-Adenauer-Stiftung finanziert und wir liessen die „Ikone der Revolution“ kostenfrei in der Charité wegen ihres fürchterlichen Rückenleidens behandeln!).

Die Ikone der Revolution, die wegen ihres schrecklichen Bandscheibenvorfalles nur noch orthopädisches Schuhwerk tragen kann

Die Ikone der Revolution, die, passend zu ihrem Bandscheibenvorfall, nur noch orthopädische Spezialschuhe trägt.

 

Wir sollten unseren Verbündeten am anderen Ende des Atlantiks also dankbar sein – wenn wir unseren Wohlstand erhalten und mehren wollen.

Die Frage der Fragen

Doch, was können wir tun, wenn wir unseren Wohlstand in Zukunft eben NICHT mehr durch Kriege erhalten wollen? Was können wir tun, wenn uns Frieden wichtiger ist, als alles andere? Und was wäre die Konsequenz daraus für unser alltägliches Leben?

Der Konflikt mit Russland erinnert uns alle schmerzlich daran, dass wir uns im Leben immer wieder eine zentrale Frage stellen und beantworten müssen: Wollen wir Krieg oder wollen wir Frieden?

Beides ist mit drastischen Konsequenzen verbunden.

Denken Sie mal darüber nach…

 

7 Gedanken zu “Uncle Sam sorgt für uns

  1. Hallo Vova, danke für den interessanten Artikel. Aber das mit dem nachdenken hast Du nicht ernst gemeint, obwohl so wie ich Dich kenne …. Du hast so verrückte Ideen. Was machst Du sonst, wenn Du nicht schreibst und nachdenkst? Wie geht es Dir, was macht Dein Job? Liebe Grüße Josefine

  2. Sie haben noch was vergessen Herr Meier: die USA geben zur Zeit mächtig an mit ihren sogenannten Erfolgen im Öl-Fracking. Fracking lohnt sich aber erst bei Ölpreisen die deutlich über unseren derzeitigen Ölpreisen liegen (ca 15% und mehr).
    Somit kommt für Amerika ein Ereignis das die Ölpreise nach oben bringt gar nicht zum falschen Zeitpunkt: Man kann schneller das Freihandelsabkommen unter Dach und Fach bringen und schmiedet langfristige Öllieferverträge mit Europa.

    VG

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