Der Westen schafft sich ab


Der seit Jahren von den USA angekündigte Krieg gegen Syrien ist ein weiterer Schritt in den Untergang einer „westlichen Wertegemeinschaft“, die sich für ein paar Jahrzehnte als strahlendes Vorbild für „Freiheit und Demokratie“ stilisieren konnte – und heute in ihrer ganzen, erschreckend offensichtlichen Verlogenheit nicht einmal mehr ein Schatten ihrer selbst ist.

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Erbärmlich verlogene Kriegsrhetorik

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Die im Jahre 2000 veröffentlichte amerikanische Militärdoktrin „Joint Vision 2020“ gibt klar das Ziel vor, US-amerikanisches Militär weltweit und parallel an mehreren Orten einsetzen zu können, um eine „full-spectrum dominance“, eine Überlegenheit auf breiter Front zu erreichen. Ziel ist es, den USA und deren Verbündeten permanenten, uneingeschränkten Zugriff auf alle Lebens- und wirtschaftlich notwendigen Rohstoffe zu ermöglichen.

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Aus diesem Grund arbeiten die Vereinigten Staaten und ihre westlichen Verbündeten seit mehr als zehn Jahren eine Art „Rohstoff-Sicherungs-Agenda“ ab, die in Afghanistan und im Irak begann, sich über Afrika erstreckte und an deren Ende das Ziel steht, daß der Iran ein vollkommen US-freundliches Regime erhalten muß. Dies soll per Stand heute durch einen Krieg erreicht werden. Syrien soll als Pipeline-Durchgangsland dienen (z.B. Homs als Pipeline-Kreuz). Das Land ist die letzte Zwischenstation, um den Iran vollständig einkreisen zu können.

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Wer möchte, der kann sich über diese Strategie der Amerikaner relativ einfach informieren. So zum Beispiel mit Hilfe von Hillary Clinton und James Baker (Ex-US- Außenminster) in folgendem Interview, das im Sommer 2012 veröffentlicht wurde:

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Nun könnte man natürlich sagen: „Selig sind die, die mit den USA verbündet sind. Denn sie können sich einer ständigen Versorgung mit billigen Rohstoffen sicher sein.“ Die Amerikaner schicken für ihre Verbündeten ihre eigenen Kinder ins Schlachtfeld. Insofern müssten wir als Deutsche (die Deutschen, sowie das Commonwealth und die EU sind die engsten und zuverlässigsten Verbündeten der USA) unseren amerikanischen Freunden danken – denn sie sorgen dafür, das unser Gas nicht fünfmal so teuer ist und uns bislang auch noch nie das Öl ausging. Sie sorgen schlicht für die Basis unseres Wohlstandes…

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…Dies ist zum Beispiel die durchaus nachvollziehbare Sicht vieler US-Veteranen. Aber eine solch kühl-abgeklärte Sichtweise passt natürlich überhaupt nicht zum „christlichen Wertekanon“ unserer „abendländischen Kultur“. Und wer könnte noch ruhig im warmen Bett schlafen, wenn er dabei ständig an Hunderttausende gefallener Opfer im Kampf um das Gas für die Etagenheizung denken müsste?

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Und um uns genau diese kognitive Dissonanz zu ersparen wird uns, die wir zufälligerweise auf der Seite der momentanen Kriegsprofiteure geboren wurden, ein beruhigendes Märchen nach dem anderen aufgetischt: Nein, es geht natürlich nie um Geostrategie und um Rohstoffe, sondern es geht immer um das Gute, nämlich um „Freiheit und Demokratie“ und um die „Sicherung von Frieden“!

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  • Der Terrorist Osama bin Laden, Mitglied einer steinreichen saudischen Großfamilie mit besten Geschäftsbeziehungen in die vereinigten Staaten, hauste angeblich in Afghanistan. Also mußte das gesamte Land umgepflügt und in unendliches Chaos gestürzt werden. Logisch!

  • Der Despot Saddam Hussein wurde vom engen Verbündeten der USA, der jahrelang von der gesamten westlichen Welt mit Rüstungsgütern aufgerüstet wurde, auf einmal zum „neuen Hitler“ (Zitat: Hans Magnus Enzensberger) der zum Schluß sogar chemische Massenvernichtungswaffen hatte. Ganz klar!

  • Der Vergewaltiger Oberst Gaddhafi wurde vom geschätzten Geschäftspartner Europas urplötzlich zum „Irren von Tripolis“, dessen von Stammestraditionen geprägtem Land man ganz schnell die Demokratie bescheren mußte – was denn sonst?

Und nun ist eben mit Baschar al-Assad ein konsequent diktatorisch regierender Augenarzt an der Reihe, der, im Gegensatz zu den menschenverachtenden Regimen in Bahrain und Saudi-Arabien, nicht im Traum daran denkt, mit den USA, Europa, Deutschland etc. zusammen zu arbeiten – was letztlich sein Todesurteil bedeuten wird, wie es bereits bei all den anderen der Fall war, die irgendwann dem Westen nicht mehr nützlich genug waren.

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Der Weg in den militärischen Angriff auf Syrien läuft nach bewährtem Drehbuch. Wobei die Anschuldigungen diesmal noch hahnebüchener sind, als seinerzeit beim Krieg gegen den Irak: …Das Assad-Regime, für das es in den vergangenen Monaten miltärisch gut lief lässt in einer Woche, in der bereits UN-Inspektoren in Syrien sich aufhielten ganz in der Nähe dieser Inspektoren einen Giftgaseinsatz durchführen und überschreitet damit bewußt eine „rote Linie“, um sich die ganzen militärischen Erfolge gegen die sogenannten „Rebellen“ durch einen Militärschlag des Westens wieder zunichte machen zu lassen…!? Was stirbt im Krieg zuallererst? War es jetzt die Wahrheit, oder die Logik?

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Ich weiß manchmal nicht, was mich mehr anwidert: Die offensichtliche Brutalität eines widerwärtigen diktatorischen Regimes oder die weichgespülte Lügenrhetorik westlicher Staatsmänner- und Frauen und ihrer Bevölkerungen. Was sind die „Werte“ einer „Wertegemeinschaft“ denn noch wert, wenn mittlerweile jedes Kind merkt, das diese Werte permanent nur noch instrumentalisiert werden, um den eigenen Wohlstand zu sichern? Wer kann denn noch die ganze Scheiße hören von wegen „Wir bringen Democracy in die ganze Welt!“?

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Selig sind die „Friedensverfestiger“?

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Und können wir uns denn vielleicht mal darüber einig werden, was es bedeuten soll, „christlich“ zu sein? Bedeutet „christlich“ automatisch friedliebend und konsequent pazifistisch, wie ich es noch bei Strickkleidern tragenden Religionslehrerinnen im Schulunterricht gelernt hatte? Oder ist „christlich“ eher das, was es bis vor Kurzem noch ganz offen war: Das Verbrennen, Vernichten, Verjagen, Verleumden, Beeinflussen und Manipulieren von Allen, die man als „unchristlich“ tituliert hatte?

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Müssen wir unsere „christlich-abendländische Kultur“ einfach nur dahingehend korrekter interpretieren, dass wir von dem ganzen „Gutmenschengetue“ absehen und uns schlicht und ergreifend dazu bekennen, dass regelmäßig hunderttausende von Menschen sterben müssen, damit wir uns eines permanenten Überangebotes an billigen ölbasierten Produkten erfreuen können?

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Mit der Glaubwürdigkeit sterben die Werte. Mit den Werten stirbt die Identität. So schafft sich unsere Gemeinschaft, die wir jahrzehntelang im Brustton moralischer Überlegenheit „der Westen“ nannten, langsam aber konsequent ab.

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Fortsetzung folgt.

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P.S.: Und weil es gar so schön ist, hier noch einmal die charmante Sympathieträgerin aus Washington:

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2 Gedanken zu “Der Westen schafft sich ab

  1. Die unter horrenden Schulden leidende „Großmacht“ USA hat nach wie vor das bestreben, Weltmacht Nummer 1 zu bleiben.

    Ein Ziel dabei ist, den Nahen und Mittleren Osten in jeder Hinsicht zu destabilisieren, dabei radikalen muslimischen Kräften Unterstützung zu gewähren, um so Russland und China in ihren Grenzregionen Aufstände zu bescheren und diese Staaten zu schwächen.

    Wie es scheint, hat Putin für sich und Russland inzwischen selbst eine rote Linie gezogen in Erkenntnis der oben beschriebenen Umstände.

    Wer sich in der Geschichte nur einigermaßen auskennt weiß, daß die USA immer Kriegsgründe gefunden und auch selbst geschaffen haben, um ihre Interessen knallhart durchsetzen zu können.

    So auch jetzt mit der Giftgas-Geschichte.

    Putin ist mitnichten ein lupenreiner Demokrat, aber Obama ist auf dem besten Weg, in die Geschichtsbücher als Kriegsfürst einzugehen und als Handlanger jener Mächtigen in den USA, die in Wirklichkeit die Geschicke dieses Landes bestimmen.

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