Gold und Silber für Anfänger – Teil 2: Edelmetalle wo lagern?


Sobald der Edelmetall-affine Anleger seine Münzen und Barren physisch erworben hat, sieht er sich vor eine große Herausforderung gestellt: Wo nur soll er seine Schätze aufbewahren? Welche Aufbewahrung kann als sicher gelten?

Nun gibt es seit dem Beginn der Bankenkrisen eine steigende Zahl von Anlegern, die, sei es aus Angst oder auch aus Mißtrauen, immer mehr Bargeld und auch Edelmetalle direkt im eigenen Haus oder in der Wohnung horten. Der berühmte „Sparstrumpf“ feiert fröhliche Urständ, denn, so die Meinung dieser Anleger „nur, was ich regelrecht `unterm Kopfkissen´ habe, ist wirklich in Sicherheit.“ Die Bundesbank schätzt, daß in den deutschen Haushalten rund 200 Milliarden Euro Bargeld liegen (Zum Vergleich: Ende 2011 betrug der Wert aller Aktien und Fonds in privaten Depots 165 Milliarden Euro.).

Doch Vorsicht: die scheinbare Sicherheit „unterm Kopfkissen“ zieht eine zunehmende Zahl von Verbrechern an. So war die Zahl der gemeldeten Einbrüche in Deutschland mit rund 140.000 im Jahr 2011 so hoch, wie noch nie zuvor! (Übrigens waren die Einbrecher auch so dreist, wie scheinbar nie zuvor: Mehr als 40% der Einbruchsdelikte wurden am hellichten Tag verübt!)

Um es ganz klar zu sagen: Größere Mengen Geld und Gold „unterm Kopfkissen“ haben mit dem Faktor „Sicherheit“ nichts zu tun, sondern können sogar einen erheblichen Unsicherheitsfaktor darstellen!

Doch was sind mögliche Alternativen?

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1.) Lagerung in einer Bank

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Banken bieten in der Regel Schließfächer und Tresore an, die man ab circa 100 Euro pro Jahr mieten kann. Das kann bisweilen ziemlich praktisch sein: Innerhalb der Banköffnungszeiten hat man Zugriff auf seine Schätze und braucht sich ansonsten wenig Gedanken über die Aufbewahrung zu machen.

Wer jedoch meint, daß der Schließfachinhalt bei einer Bank „immer 100%“ sicher sei, der irrt! – Zu jedem Schließfach muß die Bank eine Versicherung (z.B. gegen Bankraub) abschließen. Diese ist, je nach Bankhaus- und Filiale oftmals auf eine Summe zwischen 5.000 und 30.000 Euro begrenzt und kann nur selten vom Kunden gegen zusätzliches Entgelt nach oben angepaßt werden.

Zudem ist zu bedenken, daß ein Bankschließfach eben nur innerhalb der Banköffnungszeiten erreichbar ist. Wer sich z.B. mit physischen Edelmetallen ganz bewußt gegen eine wann auch immer stattfindende Währungsreform absichern will, der riskiert, daß er gerade im Ernstfall nicht an sein Gold und Silber kommt, weil erfahrungsgemäß in der „heißen Phase“ einer Währungsreform die Banken geschlossen bleiben müssen.

Die Historie zeigt zudem, daß es im Falle eines erneuten Goldverbotes zu Konfiszierungen von Bank-Schließfächern kommen kann. In der Vergangenheit gab es bereits eine Vielzahl von Goldverboten:

  • Der physische Goldbesitz wurde z.B. schon im alten Ägypten verboten,
  • in Deutschland zur Zeit der NS-Diktatur gab es eine Art Goldverbot,
  • in den USA war privater Goldbesitz von 1933 bis 1974 verboten,
  • in Großbritannien von 1966 bis 1971,
  • in Frankreich in den Jahren 1936 und 1937,
  • in Indien von 1963 bis 1990
  • etc…

Als das Goldverbot in den USA 1933 eingeführt wurde, war es dort gängige Praxis, daß die Steuerbehörden Beamte aussendeten, die in Banken vor Ort kurzerhand Schließfächer konfiszierten.

Eine ähnliche Erfahrung mußten auch Bürger der DDR machen, als das Ministerium für Staatssicherheit 1961 im Rahmen der Aktion „Licht“ in nahezu allen Banken der DDR heimlich Safes und Schließfächer öffnen ließ und einen Großteil des Inhaltes konfiszierte.

Nun soll man keinesfalls den „Teufel an die Wand malen“. Aber viele Edelmetallanleger kaufen zumindest einen kleinen Teil ihrer physischen Position ganz bewußt für den „worst case“, den schlimmsten aller Fälle, also für die pure Krisenabsicherung. Und dafür ist es nötig, daß ich als Anleger möglichst alle Facetten einer Krise berücksichtige und aus der Historie lerne. Und das heißt konkret, dass ich neben Gold auch eine ausreichende Menge Silber besitzen sollte (den Silberverbot gab es noch nie) und, dass  ich nicht mein genzes Edelmetall ausschließlich bei einer Bank lagern sollte.

Wer also über besonders große Edelmetallbestände verfügt, der wird wohl aus Gründen der Diversifikation neben vielen anderen Unterbringungsarten unter anderem auch ein Bank-Schließfach anmieten.

Dies dürfte in der Praxis allerdings nicht mehr allzu einfach funktionieren: Alle Banker, mit denen ich in letzter Zeit gesprochen habe, erzählten mir, daß die Schließfächer ihrer Filialen voll vermietet seien. Wer heute noch ein Schließfach mieten wolle, müsse sich teilweise auf Wartezeiten von mehreren Jahren einstellen…

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2.) Private Lagerhäuser

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Neben Banken gibt es auch zunehmend private Anbieter von Schließfächern oder auch von speziellen Edelmetalllagern. Dies sind oft Firmen, die aufgegebene Bankfilialen- und Gebäude übernehmen und die dortige Infrastruktur zur Weitervermietung nutzen.

Wenn Sie sich für solch einen privaten Anbieter interessieren, achten Sie bitte auf folgende Kriterien, die dieser zwingend erfüllen muß:

  • Die Gebühren für die Lagerung müssen absolut transparent und klar dargestellt sein.
  • Ihre Lagerbestände müssen in voller Höhe versichert sein.
  • Sie sollten jederzeit Ihre Lagerbestände abholen oder sie sich ausliefern lassen können.
  • Im Mietvertrag muß klar ausgeschlossen sein, daß der Lageranbieter ihre Edelmetalle verleihen oder damit handeln kann.

Im Idealfall sollten die Bestände regelmäßig durch einen unabhängigen Prüfer testiert werden.

Inzwischen bieten z.B. große und renommierte Edelmetall- Handelshäuser solche Edelmetall-Lager und Schließfächer an.

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3.) Zollfreilager

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Führende Edelmetallhändler bieten bereits ab einem Gegenwert von 15.000 Euro ein Lagerung im Zollfreilager in der Schweiz an. Das dortige Lager „Embraport“ existiert bereits seit 1973 und dient eigentlich der zollfreien Lagerung von Waren von Händlern und Importeuren.

Vorteil, insbesondere für Silber-Käufer: Auf Silber, das ausschließlich in das Zollfreilager hineingekauft und auch wieder daraus herausverkauft wird, fällt keine Mehrwertsteuer (bei Silberbarren immerhin 19%) an! Man kann sich seine Edelmetalle jederzeit physisch ausliefern lassen – bezahlt dann aber die deutsche Mehrwertsteuer und Verzollungsgebühren.

Die Edelmetalle im schweizer Zollfreilager sind vollständig gegen Brand und auch Diebstahl versichert und werden nach höchsten Sicherheitsmaßstäben verwahrt. Alle 6 Monate erhält man einen Depotauszug über den gelagerten Bestand, welcher zusätzlich einmal im Jahr von einem unabhängigen Wirtschaftsprüfer testiert wird.

Gerade für Anleger, die größere Summen an physischem Edelmetall besitzen, kann das Zollfreilager eine gute Möglichkeit bieten, einen Teil ihres Goldes und vor allem Silbers steuergünstig zu erwerben und außerhalb der EU zu verwahren.

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4.) Edelmetalldepots

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Schon für kleinere Mengen können Anleger sogenannte „Edelmetalldepots“ nutzen. Diese Depots funktionieren ähnlich wie Aktiendepots: Man läßt sich sein physisch gekauftes Edelmetall auf seinem Depot gutschreiben, ohne, daß man sein Gold und Silber selber irgendwie einlagern muß. So kann man z.B. bei einem Goldhändler physische Bestände kaufen und ohne Zwischenschritt sofort in ein Edelmetalldepot verbringen lassen.

Der Verkauf aus dem Depot heraus ist ebenso jederzeit möglich und der Verkaufserlös wird dem Anleger auf seinem Girokonto gutgeschrieben.

Bei guten Anbietern von Edelmetalldepots ist Ihr Gold und Silber voll versichert und liegt in zertifizierten Tresoranlagen. Nach Terminvereinbarung können Sie die Ware entweder selbst abholen, oder sie sich nach Hause zustellen lassen. Für die Lagerung sind jährlich Depotgebühren zu bezahlen.

Edelmetalldepots stellen die wohl unkomplizierteste Art der Lagerung von physischem Gold und Silber dar. Besonders für Anleger, die ihre Edelmetallbestände noch regelmäßig erhöhen möchten eignen sich Edelmetalldepots besonders, weil man in sie bei führenden Goldhändlern sogar schon regelmäßige Sparpläne einrichten kann. So wird Ratensparen in Gold und Silber für Jedermann ganz einfach und effektiv möglich!

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Fazit

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Physische Edelmetalle sollten aus Sicherheitsgründen nicht im eigenen Haus oder Wohnung gelagert werden. Es gibt für den Anleger heute mehrere sehr effektive, einfache und intelligente Möglichkeiten, sein Gold und Silber gut abgesichert zu verwahren. Den alleinigen Königsweg gibt es dabei nicht. Im Idealfall teilt der Anleger seine Edelmetalle auf mehrere unterschiedliche Verwahrstellen auf. Denn auch für die Lagerung von Gold und Silber gilt die alte Anlegerregel: „Wer streut, rutscht nicht aus!“

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Rechtlicher Hinweis: Die vorliegende Analyse dient ausschließlich zu Informationszwecken. Sie stellt weder eine Finanz- /Anlageberatung noch eine Handelsaufforderung dar. Insbesondere stellt sie keine Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Finanzprodukten jedweder Art dar. Das Agieren an der Börse ist mit Risiken verbunden. Verluste, Totalverluste bis hin zu Nachschusszahlungen (je nach Produkttyp) liegen im Bereich des Möglichen. Die vorliegende Ausarbeitung wurde nach bestem Wissen und Gewissen erstellt, dennoch bleibt festzuhalten, dass sich Einschätzungen jederzeit auch als falsch herausstellen können. Eine Haftung für Schäden aller Art, insbesondere für Vermögensschäden, die durch das Heran- oder Nichtheranziehen dieser Analyse möglicherweise auf Nutzerseite entstehen könnten, ist zur Gänze ausgeschlossen.

3 Gedanken zu “Gold und Silber für Anfänger – Teil 2: Edelmetalle wo lagern?

  1. Hallo Herr Meyer und danke für den interessanten Artikel.

    Eine Frage habe ich: Wie lagert man Silber so dass es nicht anläuft? Muß man alle Münzen und Barren einschweißen lassen? Wie stark ist der Wertverlust bei angelaufenem Silber egal ob Münzen oder Barren?

    Vielleicht könnten Sie mir diese Fragen ja beantworten. Danke!

    K. Sauer

    • Hallo Frau Sauer,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Ich möchte Ihre Fragen wie folgt beantworten:

      1. Wie lagert man Silber so dass es nicht anläuft?

      Antwort:
      Silber läuft immer irgendwann an. Eine Einvakuumierung (bzw. Einschweißen in Folie) kann diesen Prozeß eine Zeitlang, aber nicht ewig verhindern. Die meisten Edelmetall-Fans und auch Händler, die ich kenne, sehen darin aber keinerlei Qualitätsverlust, sondern eher im Gegenteil: einen Beweis für die Echtheit des Silbers.

      Sie sollten Münzen (egal ob Gold und Silber) auch nie kräftig mit einem Tuch „Polieren“: durch das Polieren reiben Sie Gold- und Silberpartikel ab. Unter dem „Röntgenspektrometer“ (einem Gerät, das jeder professionelle Edellmetallhändler besitzt) oder manchmal sogar auf der Feinwaage wird der Verlust dieser Partikel messbar. Solche Münzen oder Barren sind dann nicht mehr regulär verkäuflich und werden von einem Händler dann meißtens nur noch als Schmelzware (also mit Preisabschlag) angekauft.

      Mehrere „Silberbäder“ haben übrigens eine ähnlich negative Wirkung auf die Edelmetalle.

      2. Muß man alle Münzen oder Barren einschweißen lassen?

      Antwort:
      Nein. Dennoch sollten Münzen eingekapselt werden (also in eine Kunststoffkapsel oder alternativ in eine Kunststofftasche getan werden), um Sie z.B. gegen Kratzer zu schützen.

      Bei Barren stellt sich die Situation unterschiedlich dar, je nachdem, ob Sie einen gepreßten oder einen gegossenen Barren kaufen.

      Die gepreßten Barren haben i.d.R. eine vollkommen glatte, spiegelnde Oberfläche. Hier sieht man jeden Fingerabdruck und jeden Kratzer. Daher würde ich schon sagen, daß es sich bei gepreßten Barren lohnt, diese einschweißen zu lassen (sofern sie nicht ohnehin schon beim Kauf vakuumiert erworben worden sind). Gepreßte Barren lassen sich besonders gut stapeln.

      Bei den gegossenen Barren sieht jeder einzelne Barren individuell aus. Die Oberfläche der Barren ist meistens leicht rauh und sie glänzt nicht. Diese Barren sind deutlich kratzunempfindlicher. Ein Vakuumieren kann das Anlaufen etwas verzögern, ist aber meines Erachtens nicht unbedingt nötig.

      3. Wie stark ist der Wertverlust bei angelaufenem Silber egal ob Münzen oder Barren?

      Antwort:
      In der Regel gibt es meiner Erfahrung nach keinen Wertverlust, wenn eine Silbermünze oder ein Silberbarren angelaufen ist. Ein seriöser Händler wird also ihr angelaufenes Silber (oder auch Gold, das eine Patina angesetzt hat) ohne Preisabschläge annehmen. Anders sieht es dagegen bei Kratzern aus: Je seltener und damit beliebter die Münze ist, desto mehr Wert werden Käufer auf ein tadelloses Erscheinungsbild legen. Hier sind Preisabschläge bei optischen Beeinträchtigungen durchaus möglich.

      Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit ein wenig Weiterhelfen und stehe Ihnen und allen Lesern für weitere Fragen gerne zur Verfügung.

      Herzliche Grüße!
      Waldemar Meyer

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