Gespräch mit dem Heizungsmonteur


Vorgestern war der Heizungsinstallateur zur jährlichen Inspektion bei mir in der Wohnung.  Und während er mit professioneller Gemütlichkeit an der Gastherme herumhantierte, entwickelte sich zwischen uns ein Gespräch über Beruf und Berufung des jeweiligen Gesprächspartners – was in meinem Fall immer recht schnell in eine Abhandlung über Finanzen, Finanzsystem, Vermögenserhalt und Vorsorge abgleitet.

Mein Heizungsinstallateur zeigte sich jedoch höchst interessiert und erzählte mir sodann von seiner 22-jährigen Tochter,  die vor kurzem in ihrer Bank darauf angesprochen worden sei, eine Riesterrente für sich anzusparen, worauf er ihr strikt geraten habe „nichts, aber auch gar nichts“ abzuschließen: „Vergiß den Zinsenzins-Effekt. Gib das Geld aus, solange es da ist. In der jetzigen Zeit ist es doch ein Irrsinn, auf die kommenden Jahrzehnte etwas anzulegen!“

Daraufhin entspann sich sinngemäß folgender Dialog:

Heizungsmonteur: „Ja, aber man kann doch heute wirklich in gar nichts mehr sein Geld anlegen. Man weiß ja nicht, was wird.“

Ich: „Das wußte man noch nie. Aber es gibt seit 2 Jahren eine ganz konkrete Herausforderung für alle Sparer.“

„Ach, und die wäre?“

„Zinsen, die die Inflationsrate nicht mehr decken! Wir haben seit 2 Jahren auch in Deutschland einen sogenannten negativen Realzins. Das heißt, wenn ich mein Geld unterm Kopfkissen, auf dem Tagesgeldkonto oder auf dem Festgeld- oder Girokonto lasse, dann mache ich pro Jahr real um die 1 bis 2% Miese.“

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„Ach ist das schon seit 2 Jahren so? Irgendwie weiß man ja, dass das Geld auf dem Konto nicht gut aufgehoben ist. Und vor allem traue ich der Inflationsrate nicht. Die ist doch in Wirklichkeit höher, als uns die ganzen Statistiker erzählen.“

„Machen Sie es sich nicht zu kompliziert! Die simple Grundherausforderung ist doch: Wenn meine Sparanlagen von der Inflation aufgefressen werden, dann muß ich Geldanlagen finden, die eine Rendite bringen, die höher, als die Inflationsrate ist.“

„Ja, und wie finde ich die? Dann muß ich wieder zu meiner Bank rennen und die verkaufen mir irgendeinen Dreck. Denen kann man doch nicht mehr vertrauen.“

„Egal ob Bankberater oder sonstiger Berater. Machen Sie im Gespräch mit Ihrem Berater doch einfach folgenden Test:

  • Erklärt der Berater Ihnen den negativen Realzins?
  • Erklärt er Ihnen den Unterschied zwischen Geldwert und Sachwert?
  • Spricht er Klartext und sagt Ihnen klipp und klar, dass die Garantien von Banken und Versicherungen keine 100%-ige Sicherheit bieten?
  • Gibt er offen zu, dass auch die sogenannten Experten nicht wissen, was in den kommenden Jahren auf uns zukommt?
  • Gibt er offen zu, dass es keine einzige Geldanlage gibt, die alleine die richtige Lösung ist?

Wenn Sie jetzt 5 mal mit „JA“ antworten konnten, dann scheint der Berater etwas zu taugen.“

Denken Sie mal darüber nach…

5 Gedanken zu “Gespräch mit dem Heizungsmonteur

  1. Die Liste der Fragen an den Anlageberater ist schon ganz nett, allerdings fallen mir noch eine Reihe weiterer Fragen ein. Etwa:

    Stimmt es, dass sich professionelle Großanleger mittlerweile nicht nur mit negativem Realzins, sondern auch mit negativem Nominalzins begnügen? Warum tun die das? Warum verleihen Anleger Herrn Schäuble Geld, ohne Zinsen zu verlangen?

    Stimmt es etwa auch, dass jedes Zehntelprozent zusätzlicher Zins mit stark überproportionalem Risikozuwachs erkauft werden muss? Wird dieser Sachverhalt falsch, wenn die durchschnittlich erzielbare Rendite unter die Inflationsrate rutscht?

    Wie hängen eigentlich Wirtschaftswachstum und Verzinsung zusammen? Sind Zinsen wie früher immer noch realistisch, obwohl das Wirtschaftswachstum von früher fünf, sechs, ja sogar zehn Prozent auf heute null bis ein Prozent zusammengeschrumpft ist? Oder sind Anlagen, die heute fünf Prozent oder mehr versprechen, Teil einer Finanzblase, eines Schneeballsystems oder wie auch immer man so etwas nennen will?

    Wie sieht es eigentlich mit den Kosten für die Umschichtung von Vermögen aus? Die Finanzindustrie unterhält tolle Gebäude, teures Personal und die Fehlspekulationen und faulen Kredite müssen auch bezahlt werden. Da werden doch sicher fette Provisionen fällig, oder nicht?

    Wie sieht es weiterhin mit der Liquidität aus? Ist die Anlage problemlos wandelbar? Sollten Wertpapiere, Edelmetalle, etc. im Preis plötzlich stark fallen, wird man sie dann auch schnell los? Oder hat man kaum eine Chance, wenn man nicht entsprechend nah am Feuer sitzt? Und in der Krise? Eine geeignete Stückelung der Anlage bereits vorausgesetzt, wird es jemanden geben, der darauf vertraut, dass die Aktie, die Goldmünze oder was auch immer echt ist? Werden die Bäcker, Metzger und Supermärkte tatsächlich von einem EC- auf ein Edelmetall-Kassensystem umstellen?

    Am Schluss vielleicht noch die Frage, wie viel und wofür genau sparen? Ist es sinnvoll, für eine konkrete Anschaffung wie ein Auto oder eine Immobilie zu sparen? Sollte beim Sparen ein gewisser Zeithorizont und eine gewisse Zielsumme festgelegt werden? Oder ist Sparen insbesondere dann sinnvoll, wenn das Ziel völlig diffus ist? Wenn völlig unklar ist, wie hoch die notwendige Summe ist, und wann sie erreicht ist? Bestes Beispiel Altersvorsorge: Die Bevölkerung wird immer älter. Schon bald wird ein Berufstätiger zwei Rentner versorgen müssen. Und weil das nicht geht, ist sparen angesagt. Aber wenn es wirklich stimmt, dass ein Berufstätiger keine zwei Rentner durchbringt: wird das angesparte Vermögen dann ausreichen, das nicht gebackene Brot, das nicht gebaute Auto, usw. zu kaufen? Sind niemals hergestellte Waren wirklich gegen Geld zu beziehen? Was werden sie kosten?

    • Die verleihen das Geld deshalb zu realen oder nominal negativen Realzinsen, da dieses Geld nur Buchgeld, also Schuldgeld ist.
      Sie wechseln für Ihr Schuldgeld den Schuldner aus. Sie gehen davon aus, daß der Staat ein sichererer Schuldner ist als der Schuldner, den Ihr Buchgeld zuvor hatte.

      Sie könnten es sich auch Cash auszahlen lassen. Nur würde dies, wenn mehrere Vermögende dies tun würden, es dazu führen, daß die EZB eben das Geld dafür ausdruckt. Das Geldsystem würde schlagartig zusätzlich an Vertrauen verlieren…….es würde womöglich zu Inflation führen (aufGrund des Vertrauensverlustes).

      Und an einem Zusammenbruch kann der oder die Vermögende kein Interesse haben. Dieses Geld ist für Vermögende sowieso eher Mittel zum Zweck zur Aneignung oder Umschichtung von Sachwerten. Das Geld wird in Geldwerten wohl nur dehalb angelegt um es schnell in großen Summen umbuchen zu können.

      Für Kleinanleger sieht die Sache anders aus.
      Als Geldanlage für den nicht so gewieften Kleinanleger kommt aus meiner Sicht als Geldanlage nur das Halten von Cash, Edelmetallen und eventuell auch selbstgenutzte Immobillie, die man sich locker leisten können sollte, in Frage.
      Allerdings scheinen mir Immobillien im Moment etwas zu teuer. Edelmetalle sind günstiger geworden. Möglicherweise werden sie noch günstiger.
      Ein guter Plan wäre hierbei, sukzessiv immer kleine Mengen Monat für Monat und wenn es zu teur wird eine zeitlang auszusetzen um dann Preisrücksetzern wieder schluckweise nachzuimpfen.

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