Haben Sie schon echtes Geld?


Am vergangenen Freitag ist es an den Börsen weltweit erstmals seit langer Zeit wieder zu einer Entwicklung gekommen, die „normalerweise“ idealtypisch sein sollte in Phasen des allgemeinen Vertrauensverlustes und der Unsicherheit:

  • Aktienmärkte runter
  • Rohstoffpreise runter
  • Anleihenkurse runter (!)
  • Edelmetallpreise rauf (!)

Die Betonung liegt hier vor allen Dingen auf den beiden letztgenannten Phänomenen! In Zeiten wie diesen, in denen…

  1. unaufhörlich und immer schneller die Basisgeldmengen aller großen Währungen aufgepumpt werden
  2. Staaten weltweit (ob objektiv berechtigt oder nicht) von Zahlungsunfähigkeit bedroht sind
  3. Verschuldungen übers Ganze betrachtet exponentiell steigen
  4. Von Seiten der Verantwortlichen und auch der Bevölkerungen weder Verständnis, noch ein Plan, noch eine Ahnung für eine Lösung der Herausforderungen erkennbar ist

…müßte eigentlich noch der letzte Vermögensinhaber und Sparer erkennen, daß die Parameter, unter denen sein Vermögen bisher als „sicher“ galt zunehmend zu Staub zerfallen. Dies gilt vor allem für einen Grundparameter: Für den fast schon religiös anmutenden Glauben an „das Geld“.

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Modernes „Geld“ als Ursache für Finanzblasen

Seitdem es „Banknoten“ (also Papiergeld) gibt, waren diese in der Regel immer durch Silber oder durch Gold gedeckt. „Gedeckt“ heißt, dass z.B. zu Zeiten der Golddeckung für jeden neugeschaffenen US-Dollar eine feste Menge Gold bei der Zentralbank hinterlegt wurde. Wer einen US-Dollar in der Hand hielt und dem (Papier-)Schein nicht ganz traute, der konnte jederzeit zur Zentralbank gehen und seine Dollar-Banknote gegen die hinterlegte Menge Gold eintauschen. Die Golddeckung führte also dazu, dass

  1. das Geld nicht beliebig vermehrbar („nachdruckbar“) war und
  2. das Geld einen fest definierten inneren Wert besaß.

Der historische Einschnitt kam 1971, als in den USA unter Präsident Nixon die Goldbindung des US-Dollars vollständig abgeschafft wurde! Seitdem leben wir in einem in der Menschheitsgeschichte völlig neuen Experiment: Alle großen Währungen (USD, Euro, alte DM, Yen, seit einigen Jahren auch der SFR) sind durch nichts mehr verbindlich gedeckt! Wir Leben also in einem System aus ungedecktem Papiergeld – ein Geld, das keinen definierten inneren Wert mehr hat.

Von den meisten wird noch nicht registriert, daß das, was wir heutzutage als „Geld“ bezeichnen nichts weiter ist, als vollkommen wertloses Papier, bunt bedruckt, beliebig vermehrbar, durch „Regeln“ organisiert, die jederzeit willkürlich geändert werden können (und auch werden), in Währungskriegen angreifbar, im realen Gegenwert jederzeit veränderbar und nur zusammengehalten vom „Vertrauen“ bzw. vom „Glauben“ daran.

Die Basisgeldmenge (also das Geld, das von der Zentralbank dem Gesamtsystem zur Verfügung gestellt wird) im US-Dollar / Quelle: Wikimedia

Genau dieses „Vertrauen“ (in Europa: das Vertrauen in Fortbestand und die Werthaltigkeit des Euro, in den USA: Das Vertrauen in den USD, in Rußland: das Vertrauen in den Rubel) nimmt

  • hörbar (Unterhalten Sie sich mit den Leuten „auf der Straße“),
  • spürbar (Fühlen Sie das zunehmende Mißtrauen untereinander)

und intellektuell nachvollziehbar von Monat zu Monat, ja sogar von Woche zu Woche immer mehr ab.

Auch, wenn die Zahl derer noch klein ist, so wächst sie doch rasant, die beginnen zu begreifen, daß das, was sie für „Geld“ halten, etwas ist, was dauerhaft absolut nicht werthaltig ist und, solange es beliebig vermehrbar ist, auch gar nicht werthaltig sein kann.

Kaufkraftverlust des Dollars

Kaufkraftverlust des US-Dollars in den letzten Jahrzenten. Klar erkennbar: Dieses „Geld“ taugt als dauerhafter Wertspeicher rein gar nichts!

Die aktuelle Eurokrise ist nur die Spitze des Eisbergs: Die Überschuldung von z.B. Staaten – und hier rede ich von Europa UND noch viel mehr von den USA! – ist ein Symptom einer weitreichenden Krise des Geldsystems.

Das heutige Geldsystem funktioniert nach planwirtschaftlichen Prinzipien: Geld entsteht im Rahmen eines Kreditschöpfungsaktes durch monopolisierte Zentralbanken, ohne dass das „Geld“ einen materiellen inneren Wert besitzt. Geldguthaben sind also nur die Kehrseite von Schulden, denn  jeder Geldeinheit steht in diesem System immer eine Zinsforderung entgegen – ohne, dass der Zins überhaupt geschaffen wird.

In der Gesamtbetrachtung ist dieses System auf eine permanente „Aufschuldung“ angewiesen – nur so können die Zins- und Tilgungszahlungen finanziert werden. Mathematisch betrachtet handelt es sich somit um eine klassische Zinseszinsfunktion, also um eine Exponentialfunktion.

Nur solange der Geldschöpfung ein entsprechendes Wachstum der Realwirtschaft entgegen steht, kann das System funktionieren. Eine weitere Voraussetzung ist die unbedingte Unabhängigkeit der Zentralbanken von jeglichem politischen Einfluss. Beide Bedingungen sind weder im US-Dollar- noch im Euro-Raum erfüllt.

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Anleihenmärkte: größte Blase in der Geschichte der Menschheit?

Die Erkenntnis der fehlenden Werthaltigkeit wird über kurz oder lang dazu führen, daß sich die Menschen massenhaft von allem zurückziehen werden, was mit beliebig vermehrbarem „Papier“ bzw. „Geld“ zu tun hat. Und dies wird der wichtigste Grund sein, weshalb die sich immer stärker aufblähenden Anleihenmärkte (z.B. die Märkte für Staatsanleihen) später einmal wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen werden.

Es macht eben zum Beispiel rein objektiv keinen erkennbaren Sinn, daß heute noch massenhaft Anlegergeld in US-Staatsanleihen strömt, also in die Anleihen eines Staates, der bei genauer Betrachtung bereits bankrott ist. Die Tatsache, daß Investoren der Bunderepublik Deutschland mittlerweile zu null Prozent Zinsen Geld leihen, kann höchstens als Zeichen blanker Panik, mangelnder Anlagealternativen oder vielleicht noch als massenhafte Spekulation auf einen Zerfall des Euro gewertet werden (die Spekulation ist, daß bei einem Euro-Zerfall die Anleihen der Bundesrepublik wohl kurzfristig enorm aufwerten würden). – Nachhaltig, sinnvoll oder „in die Zukunft gedacht“ ist dies jedoch sicherlich nicht.

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Doch was ist die Alternative?

Die klassische Alternative zum heutigen (Papier-) Geld ist das „traditionelle Geld“, also das, was…

  1. bereits seit rund 4 Jahrtausenden als Tauschmittel genutzt wird und
  2. nicht beliebig vermehrbar ist

…somit also die beiden Edelmetalle Silber und Gold. Das Vertrauen in etwas, was bereits seit mehr als 4 000 Jahren Vertrauen genießt, wird wohl etwas länger überdauern, als der Glaube an ein Papiergeldexperiment, das in seiner jetzigen Ausprägung z.B. im europäischen Raum erst seit rund 80 Jahren existiert.

Daher wird es sich früher oder später logisch so zutragen, daß mit zunehmender Unsicherheit an den weltweiten Märkten

  • die Anleihenkurse verfallen und
  • die Edelmetallpreise explodieren werden.

Warum passiert dies aber nicht schon längst?

Nun zum einen muß man feststellen, daß das Vertrauen der Anleger weltweit in die Währungen und in die Staatsanleihenmärkte eben doch noch nicht so weit erschüttert ist, wie manche Panik-Schlagzeile es manchmal suggerieren will.

Zweitens ist unser gesamtes Finanzsystem komplett auf Papier und Papiergeld gepolt: So kann zum Bespiel eine Versicherungsgesellschaft einen Großteil ihrer Anlegergelder nicht in Silber und Gold anlegen, sondern sie MUSS in Staatsanleihen investieren – ganz einfach, weil es ihr der Gesetzgeber durch das Versicherungsaufsichtsgesetz  so vorschreibt. Erst, wenn die Versicherungskunden in Massen aus ihren Riesterrenten flüchten werden, weil sie erkennen, daß diesen großteils  nichts, als Papier unterliegt; erst, wenn Versicherungskunden daraufhin massenweise eine Unterlegung in „realen Werten“ fordern werden, erst dann ist damit zu rechnen, daß der Gesetzgeber reagiert, um die dann strauchelnde Lebensversicherungsbranche nicht untergehen zu lassen.

Aber selbst dann bleibt noch ein ganz praktisches Problem: Es gibt so verdammt wenig von dem realen, traditionellen Geld, also von Silber und Gold. So betrug z.B. im Jahr 2010 das weltweite Volumen handelbaren Silbers gerade mal nur 18 Milliarden US-Dollar! – Der weltweite Berg an (Papier-)Derivaten beträgt jedoch mittlerweile die schier unglaubliche Summe von 700 Billionen (!) US-Dollar! Auch, wenn diese Betrachtung stark vereinfacht ist, demonstriert alleine diese Zahl, wie explosionsartig sich zum Beispiel der Preis von Silber verändern könnte, wenn irgendwann im großen Stil ein Roll-back im Denken, weg von Papier, hin zu traditionellen Werten stattfindet.

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Fazit:

  • Die Erkenntnis, daß das aktuelle „Papiergeld“ in sich nicht werthaltig ist, wird meiner Meinung nach über kurz oder lang in der Masse der Anleger ankommen.
  • Dies wird zu einer Rückbesinnung hin zum „traditionellen, echten Geld“, also zu Silber und Gold führen.
  • Daher ist heute bereits jeder kritische Anleger gut beraten, zumindest einen überschaubaren Anteil seiner Geldanlagen in das „echte Geld“ umzutauschen.
  • Hierbei geht es nicht um eine Spekulation auf höhere Preise, sondern schlicht um die Frage, was auch in 10, 20 Jahren noch werthaltig sein wird.

Kein Mensch weiß, ob, wann und wie der Rückbesinnungsprozess auf das traditionelle, echte Geld ablaufen wird. Und solche Tage wie der letzte Freitag, an dem Papier beginnt zu fallen und parallel dazu Edelmetalle im Wert steigen, wird man über Marktmanipulationen auch in Zukunft vorerst noch regelmäßig verhindern können.

 

4 Gedanken zu “Haben Sie schon echtes Geld?

  1. Ich vermute mal, dass Sie wirklich gutwillig sind. Ihre Auffassung vom „sicheren Gold“ ist jedoch falsch. Wenn Sie Ihren Lesern wirklich helfen wollen, informieren Sie sich über die Geschichte des Goldes und die Problematik gerade in Kristenzeiten.
    Als Einstieg: http://www.elliottwave.com/freeupdates/archives/2012/05/11/Gold-and-Silver-Hedges-Against-a-Financial-Downturn-.aspx
    Dann auch: http://www.elliottwave.com/club/gold-and-recessions/Default.aspx?code=30085
    Wer mehr wissen möchte und Englisch kann, sollte sich darin vertiefen. Auch „Conquer the crash“ bestellen (es gibt dort 8 Kapitel jetzt kostenlos zu lesen).
    Kurz: Gold wird zusammen mit Aktien und Anleihen crashen, wenn sich die Krise verschärft – und das wird sie mit Sicherheit. Gold jetzt verkaufen!!! Solange es noch so teuer ist.

    • Sehr geehrter Herr Rösner,

      vielen Dank für Ihren Kommentar.

      Sie beschreiben eine mögliche Reaktion des Goldpreises unter einem bestimmten volkswirtschaftlichen Szenario (deflationärer Schock und/oder länger anhaltenden Deflation).

      Dem stimme ich weitgehend zu, nur: es interessiert im Kontext meines Artikels schlichtweg nicht.

      Ich habe Gold weder als „sichere Anlage“, noch als Spekulationsobjekt beschrieben. Vielmehr war mein Anliegen, die historische Geldfunktion des Goldes in Erinnerung zu rufen.

      Wer Gold als Geld sieht, der legt sich 5 – 10 % seines Gesamtportfolios davon physisch (und NUR physisch und jederzeit greifbar!!) in Münzen und/oder Barren zu.

      Einmal gekauft wird dieses physische Gold bis zum Tode nie mehr wieder verkauft und der Goldkurs, egal in welche Richtung er tendiert, interessiert schlicht nicht mehr. So verfahren, gilt das Gold nicht als „Geldanlage“, sondern als Versicherung: Um im Fall, das Gold wieder einmal die jahrtausendealte Geldfunktion vollständig erlangt, liquide zu bleiben.

      Lediglich Gold & Silber-Bestände, die 10% eines Gesamtportfolios übersteigen, können m.E. als „Spekulationsobjekt“ gesehen werden: d.h. ich überprüfe, wie es zu einzelnen Szenarien reagieren könnte (so, wie sie das getan haben) und plane ggf. Zu- und Verkäufe.

      Soviel zur Konkretisierung und, um Mißverständnisse zu vermeiden.

      Schöne Grüße!

      Waldemar Meyer

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