Paketdienste: Wechseln Sie einfach!


Enthüllungsjournalist Günter Wallraff sorgt in diesen Tagen wieder einmal für Furore: er hatte sich als Paketbote beim Dienstleister GLS eingeschleust und eine zeitlang mitgearbeitet.

Wallraffs Erfahrungen: (Zitat aus FAZ.de) „…Wer denkt schon daran, dass das Paket jemand ausliefert, der 3,14 Euro brutto die Stunde verdient und zwölf bis vierzehn Stunden pro Tag malocht?… Der Tag beginnt morgens um fünf und endet nicht vor sieben, acht Uhr abends. Dazwischen wird tonnenweise ein- und ausgeladen, ein- und ausgeladen, nicht für die kleinste Pause bleibt Zeit, das Fahrtenbuch – von den Fahrern „Märchenbuch“ genannt – wird geschönt, und zwischendurch kommen neue Befehle aus der Zentrale. Dabei braucht es „gar keinen Antreiber“, erkennt Wallraff, „es ist das System.“

Am Ende des Monats bleiben dem Fahrer, 1300, 1400 Euro brutto. Und den Subunternehmern, die GLS beschäftigt, bleibt unter Umständen noch weniger als das. Sie stehen im Risiko, vor allem im finanziellen, und tragen die Verantwortung. Es sind ehemalige Fahrer, denen man, wie im Film geschildert wird, weisgemacht hat, dass sie das große Geld verdienen und die am Ende mit horrenden Schuldsummen dastehen. Ein Kommen und Gehen und Auspressen, solange, bis die Arbeitnehmer am Ende sind, so schildert es Wallraff: ein ausgeklügeltes System der Ausbeutung, begünstigt durch das Fehlen eines gesetzlichen Mindestlohns und gipfelnd in einem perversen „Bußgeldkatalog“, mit dem GLS angeblich seine Mitarbeiter – die streng genommen gar keine sind, sondern Angestellte der Subunternehmer – gängelt und einschüchtert.“

Günter Wallraff dokumentiert damit Mißstände, die jedem längst klar waren, der sich auch nur einmal zwei Minuten konzentriert mit einem Paketfahrer unterhalten hat! Es ist absolut widerlich und abscheulich miterleben zu müssen, welche Auswüchse moderner Renditewahn und sogenanntes „betriebswirtschaftliches Denken“ verursachen können. Leider handelt es sich bei den entsprechend ausbeutenden Paketdiensten um keine Ausnahme! Die mehr als 6 Millionen Niedrigstlohn-Jobber in Deutschland (Friseurinnen im Ruhrgebiet und in Ostdeutschland, Pflegekräfte, Küchenhilfen, Reinigungskräfte etc. etc..) können ein schauderliches Lied davon singen!

Was können wir als Verbraucher und Paketversender machen?

In diesem Fall ist es erfreulich einfach: wechseln Sie den Paketdienst. Während viele Versandunternehmen angeblich zu nahezu 100% ausschließlich mit sogenannten „Subunternehmern“ arbeitet, hört man aus Gewerkschaftskreisen, dass vor allem DHL größtenteils Tariflöhne, teilweise auch übertariflich bezahlen soll (der Vollständigkeit halber: dies gilt allerdings erst nach einer ziemlich schikanösen „Einarbeitungsphase“)

  • Es reicht aus, wenn wir als Verbraucher zu einem fair bezahlenden Anbieter wie z.B. DHL wechseln.
  • Versenden Sie ausschließlich über diesen Anbieter.
  • Kaufen Sie bei keinem Ebay-oder sonstigen Händler mehr, der nicht über diesen Anbieter versendet.

Sie sehen: Manchmal funktioniert Marktwirtschaft verdammt einfach. Wir müssen es einfach nur machen!

 

Doch es bleiben Fragen:

  • Wann bekommen wir die Namen der Bekleidungshersteller, die NICHT Arbeiterinnen in Bangladesh bis zum Umfallen ausnutzen?
  • Wann erfahren wir, welcher Wurstfabrikant seine Tiere vernünftig füttert und aufwachsen lässt, sodass wir nicht nach jeder Scheibe Salami befürchten müssen, die Krätze zu bekommen?
  • Wo können wir nachlesen, welche Bank ihre Kundengelder nutzt, um damit wirklich sinnvolle Projekte und Firmen zu finanzieren?

Und: Warum ist noch niemand auf die Idee gekommen, eine Website zu eröffnen, in der genau diese Informationen kurz und knapp zu finden sind? Warum gibt es noch kein Bonuskartensystem, bei dem wir nur bei solchen Anbietern Punkte sammeln können, die fair und nachhaltig wirtschaften?  – Viele Verbraucher würden es dankbar nutzen.

Marktwirtschaft kann manchmal so einfach sein. Denken Sie mal darüber nach!

3 Gedanken zu “Paketdienste: Wechseln Sie einfach!

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