Wir belohnen diejenigen, die wir kaum brauchen und mißachten die, die wir dringend brauchen


Machen Sie bitte mal ein kleines Gedankenexperiment: Stellen Sie sich zunächst vor, morgen fallen bei uns im Land alle Rating-Analysten, Unternehmensberater, Immobilienmakler, und alle Hedgefonds-Manager auf einmal tot um.

Und dann stellen Sie sich einfach mal vor, morgen fallen alle Polizisten, alle Assistenzärzte, alle Altenpfleger und alle Müllmänner tot um.

  • Überlegen Sie kurz, wen Sie davon am meisten vermissen würden?

Richtig: Wir bezahlen diejenigen, die wir für unser tägliches Leben so gut wie überhaupt nicht brauchen, am allerbesten.

Und diejenigen, auf die wir dringend angewiesen sind, die speisen wir mit niedrigsten Löhnen und mit miesesten Arbeitsverträgen ab!

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Wir diskutieren seit (6 !!!) Jahren die Frage, ob ein Mindestlohn von 7,50 Euro brutto (!) gesetzlich festgeschrieben werden kann, das heißt konkret: wir diskutieren doch tatsächlich noch darüber, ob jemand, der Vollzeit mindestens 8 Stunden pro Tag  arbeitet und sich dabei Mühe gibt, mindestens 1.200 Euro brutto (!) pro Monat von seiner Arbeit haben soll…

….aber Bankenrettungspakete von 400 Milliarden Euro, wie z.B. das erste Paket im Jahr 2008, die können wir innerhalb von 7 Kalendertagen, wie geschehen, durchwinken.

Nur einer von vielen Gründen, um endlich auf die Straße zu gehen.

Denken Sie mal darüber nach.

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9 Gedanken zu “Wir belohnen diejenigen, die wir kaum brauchen und mißachten die, die wir dringend brauchen

  1. ich bin 55 und bis vor kurzem überzeugter fdp-wähler. aber nach dem was in den letzten jahren pasiert ist kann ich nur dankbar und etwas beschämt feststellen

    ***SIE SPRECHEN MIR AUS DER SEELE***

  2. Eine leider – nicht nur in diesem spezifischen Kontext – zutreffende Überschrift. Im Ergebnis sicher ein Grund, endlich auf die Strasse zu gehen. Nur glaube ich kaum, daß wir der Gerechtigkeit damit ausreichend nahe kommen. Einem authentischen, kaum widerlegbaren Begriff davon ganz sicher – aber Gerechtigkeit als quasi Menschenrecht wird auch von einer deutlich sicht- und hörbare Forderung nach ihr kaum eingelöst werden können.

    Darüber nachzudenken kann deshalb sehr weh tun. Aber daß es ist, wie es ist, erzeugt einen Grad an Schmerzen, der im Grunde genommen kaum noch auszuhalten ist.

    • Lieber michaelibach,

      vielen Dank für Ihren Kommentar … gerade, weil ich und sicherlich auch viele Leser Ihre „Schmerzen, die kaum noch auszuhalten sind“ nur allzu gut nachvollziehen können!!

      Ihr Kommentar macht neugierig…

      …neugierig darauf, was Sie genau unter „Gerechtigkeit“ verstehen…
      …neugierig darauf, wie Ihrer Meinung nach „Gerechtigkeit“ erreicht werden kann…
      …neugierig darauf, wie Ihrer Meinung nach Gerechtigkeit als Menschenrecht eingelöst werden kann.

      Wenn Sie möchten, schreiben Sie mir gerne direkt (waldemar.meyer@yahoo.de) – oder fügen Sie bitte einfach noch einen Kommentar hinzu.

      Auf einen fruchtbaren Gedankenaustausch freut sich…

      Waldemar Meyer

      • Bevor Sie sich irgendwelche intellektuellen Diskussionen liefern, hier ein Spruch von Volker Pispers:

        „Wer gegen den Mindestlohn ist, der ist einfach ein Arschloch!“

        Ende. Aus.

      • Lieber Herr Meyer,

        herzlichen Dank für Ihre sehr interessiert klingende Stellungnahme zu meinem Kommentar!

        Was meiner Meinung nach zum Theme „Gerechtigkeit“ aus recht unterschiedlichen Perspektiven und mit idealistisch geleiteten Zielvorstößen gesagt werden könnte, kann bzw. könnte sicher nicht in wenigen Sätzen abgehandelt werden. Gerne würde ich bereits umgehend damit anfangen, nur leider, leider fehlt mir momentan einfach die Zeit dazu.

        Dennoch werde ich so bald als möglich darauf zurückkommen und bitte bis dahin um ein wenig Geduld. Ihren Blog werde ich natürlich auch weiterhin interessiert und aufmerksam verfolgen.

        Herzliche Grüße für den Moment,

        Michael Ibach

  3. Lieber Herr Meyer,

    im Januar 2006 habe ich für 5,50 € / h in der Bundestagskantine als Tellerwäscher gearbeitet. Zu der Zeit ging auch gerade die Diskussion um einen Mindestlohn um. Ich erinnere mich schon damals nicht an die Wahlwerbung geglaubt zu haben. Paßiert ist nichts, wie wir wissen.
    Zeit wird es.

    Claus

    • Lieber Claus,

      diese ganze Diskussion rund um den Mindestlohn geht mir auch bis heute nicht in den Kopf.

      Wir haben mitlerweile bewußt dafür gesorgt, dass eine Gruppe von „Arbeitssklaven“ (immerhin sind es mehr als 22% der Vollzeit berufstätigen, die bei uns im Land weniger, als 1.700,- brutto !!! verdienen), nicht mehr von ihrer Arbeit leben kann.

      Dies ist an Schäbigkeit durch NICHTS zu überbieten!!

      Was glauben wir eigentlich, was wir uns noch alles mit diesem Teil unserer Bevölkerung erlauben können? Glauben wir etwa, die werden sich das auf Dauer so gefallen lassen?? Sind wir wirklich so naiv?

      Der Bund zahlt pro Jahr 11 Milliarden Euro an „Aufstockungszahlungen“, die wir uns mit einem Mindestlohn von 9 Euro sofort sparen könnten.

      Firmen, die mit Billiglöhnern arbeiten, konkurrieren andere Unternehmen, die versuchen, fair zu bleiben, gnadenlos über den Preis nieder (so kommt es zu dem unmöglichen Zustand, dass z.B. in einer Bundestagskantine ein Subunternehmer so extrem geringe Löhne zahlen kann).

      Was hat das bitte mit „freien Märkten“ zu tun???

      Was hat es bitte mit „freien Märkten“ zu tun, wenn ein Teil unserer Wirtschaft mit Aufstockungszahlungen subventioniert wird???

      Unternehmen, die ihre Arbeitnehmer nicht mit mindestens 9 Euro brutto pro Stunde entlohnen können, können sich schlicht und einfach keine Angestellten leisten. Punkt. Aus. Ende.

      Übrigens: Verantwortungsvolle und ECHTE Unternehmer behandeln Ihre Leute auch nicht so. Die, die soclh niedrige Löhne zahlen sind kurzfristig denkende Sklaventreiber – nichts anderes!

      Sie merken, ein Thema, bei dem ich (als ehemaliger selbstständiger Unternehmer mit Angestellten) sehr emotional werden kann….

      Liebe Grüße!
      Waldemar Meyer

    • Ein treffender Artikel! Es wird verdammt nochmal endlich Zeit für einen fairen Mindestlohn! Leider steht der Dummschwätzer von der SPD nicht für diese Politik. Wenn überhaupt dann bekommen wir den flächendeckenden Mindestlohn nur mit der Merkel-CDU. Klingt komisch, ist aber so

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar!

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