Neues Kapitel im Währungskrieg: Griechenland darf pleite gehen.


Anfang 2010 hat ein Währungskrieg des US-Dollar-Raumes gegen die Eurozone begonnen. In mehreren ersten Wellen wurden die schwächsten Mitglieder der Eurozone von us-amerikanischen und britischen Ratingagenturen angegriffen.

Bei den sogenannten „Downgrades“ fiel und fällt auf, daß hier ganz offensichtlich in London und New York nicht nach objektiven Kriterien vorgegangen wird.  – So wurden die Länder verschont,  die die größten Schuldendynamiken haben, nämlich

  • USA, Neuverschuldung 2010: + 11%
  • Japan, Neuverschuldung 2010: +10%
  • Großbritannien, Neuverschuldung 2010: +12%

die gleichzeitig, wie im Falle der USA und GB über katastrophale volkswirtschaftliche Strukturen (extrem geschrumpfter industrieller Sektor, übermäßig aufgeblähter Finanzsektor) und miserable volkswirtschaftliche Kennzahlen verfügen (im Falle der USA hedonisch massiv  geschönte Wachstums- Inflations- und BIP-Zahlen).

Stattdessen begann man auf die Eurozone einzuschießen, die von allen westlichen Wirtschaftszonen die geringste Schuldendynamik (Neuverschuldung 2010 + 6,3%) und als einzige Zone kraftvolle Haushaltskonsolidierungsschritte eingeleitet hat (die ersten Sparpakete wurden in Griechenland bereits Ende 2009 beschlossen, in Japan und in den USA hält die Neuverschuldungsdynamik dagegen bis heute unvermindert an).

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Ratingagenturen schonen die Einen und prügeln die Anderen

Nach objektiven Kriterien gab und gibt es somit keinen Grund für ein Downgrade Spaniens oder z.B . (besonders absurd) Irlands. Genausowenig gibt es nach objektiven Vergleichsmaßstäben einen Grund ein Land mit einem so stabilen industriellen Sektor und einer kaum vorhandenen Neuverschuldungsdynamik, wie Italien down zu graden!

Lediglich im winzigen Griechenland, das eine Wirtschaftskraft in der Größenordnung Hessens aufweist, war die Zahlenbasis so unzuverlässig und die tatsächliche Situation mit Hilfe der US-Investmentbank Goldman Sachs so sehr verschleiert worden, daß es nachvollziehbar war, daß die Finanzmärkte diesem Land das Vertrauen entzogen.

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Zinsanstieg führte zu eskalierendem  Schuldenproblem

Obwohl die Gesamtverschuldung Griechenlands nach wie vor längst nicht so hoch ist, dass das Land alleine deswegen in Zahlungsschwierigkeiten  kommen müßte, führten die in regelmäßigen Abständen von ein paar Wochen stattfindenden Downgrades durch die US- und britischen Ratingagenturen (bzw. auch nur die Ankündigung, über Downgrades nachzudenken!) dazu, dass Griechenland für seine Anleihen so hohe Zinsen zahlen mußte, dass die Zinsquote (= Summe der jährlich anfallenden Zinsen im Verhältnis zu den jährlichen Staatseinnahmen) auf über 30% anstieg und ein Staatsbankrott in diskutierbare Reichweite kam.

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Staatsbankrott ist kein Weltuntergang!

Nun ist ein solcher Staatsbankrott keinesfalls ein unübliches Ereignis: alleine seit 1998 haben weltweit in ca. 24 Ländern Staatsbankrotte stattgefunden (so z.B.: 1998 in Rußland, in Argentinien, in Uruguay, 2008 de facto in Rumänien etc…) und somit hätte man in Griechenland einen solchen Staatsbankrott ohne großes Drama durchführen können. Die Folge wäre schlicht und ergreifend gewesen, dass diejenigen, die in griechische Staatsanleihen investiert haben, diese nicht mehr voll zu 100% zurückgezahlt bekommen hätten.

Doch wer sind diese Inhaber von griechischen Staatsanleihen:

  1. Vermögende Privatleute
  2. Andere Staaten
  3. Versicherungsgesellschaften
  4. Banken

Das heißt: Versicherungen und vor allem Banken hätten Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen vornehmen müssen und hätten somit Geld verloren.

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Mai 2010: Eine beispiellose Medienkampagne beginnnt

Und damit begann circa im Mai 2010 eine regelrechte „Verarschungsmaschinerie“ zu laufen, die ihres Gleichen sucht:  man hat begonnen, uns zu erzählen, dass eine Pleite Griechenlands zu einer „Kernschmelze“ unseres Finanzsystemes und zu einem totalen Zusammenbruch des Euro führen müsse. Teile der Finanzindustrie haben bewußt eine beispiellose Panik geschürt und das ganze wurde perfekt flankiert durch eine großangelegte Verdummungskampagne in manchen Medien (ich erinnere hier nur an die Hetze der BILD gegen „die Griechen“ im Sommer 2010).

Diese Kampagne fiel bei einer Mehrheit der Deutschen auf fruchtbaren Boden, die sich, vollkommen befreit von historischem Wissen und nahezu völlig ahnungslos über die Mechanismen in unserem Finanzsystem, nur allzu gerne von dieser Panik haben anstecken lassen.

  • Frage, Herr Weber: Wieso kann sich „die deutsche Bevölkerung“ nicht mehr darauf verlassen, dass diejenigen, die Geldanlagen tätigen, die Risiken aus diesen Anlagen auch vollständig selber tragen?
  • Quelle: http://www.bild.de , 18.05.2010

Griechenlandpapiere gehen im großen Stil an die EZB

Parallel dazu hat die europäische Zentralbank (EZB) ein Anleihenaufkaufprogramm gestartet, dass es europäischen Banken ermöglicht hat, sich schnell von einem Großteil ihrer Griechenlandpapiere zu trennen.  Und jetzt, ja  jetzt, wo nicht mehr im großen Stil die Privatbanken, sondern vor allem die europäische Zentralbank (und damit wir alle) auf den Griechenlandpapieren sitzen, jetzt darf Griechenland endlich in die Insolvenz gehen, das heißt, diese Papiere werden nur noch zu (vermutlich) 50% zurückbezahlt.

Verluste wurden somit wieder erfolgreich sozialisiert und das in einer Situation, wo es um sowenig Geld geht, dass es absolut nicht nachvollziehbar ist, dass eine Griechenlandpleite  ausserhalb Griechenlands wirklich eine massive Bankenkrise hervorrufen könnte.

Sehen Sie hier nochmal eine (etwas unvollständige) Zusammenfassung:

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Wieder einmal haben Teile der Finanzindustrie unter zuhilfenahme wichtiger „Leitmedien“ die deutsche und europäische Öffentlichkeit am Nasenring durch die Manege gezogen.

Solange eine Bevölkerung nicht lernt, kritisch nachzufragen, sich über Unbekanntes weiterzubilden, nicht alles zu glauben was in der Zeitung steht… solange werden sich solche Phänomene weiterhin regelmäßig wiederholen.

Denken Sie mal darüber nach.

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2 Gedanken zu “Neues Kapitel im Währungskrieg: Griechenland darf pleite gehen.

  1. Danke, Herr Meier, dass Sie das so unverblümt schreiben. man kommt sich manchmal vor wie in einer großen Matrix in der die Mitmenschen kaum noch kapieren was gerade geschieht. Danke für die Aufklärung die Sie auf Ihrer Seite betreiben.

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar!

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