New Yorker Bürgerproteste weiten sich aus. Prominente unterstützen.


Occupy Wall Street („Besetzt die Wall Street“) ist eine Protestaktion, die Mitte September in New York begann und inzwischen für immer mehr Aufsehen sorgt. Die Proteste richten sich

  • gegen die Verantwortlichen der Finanzkrise
  • die Macht der Banken sowie
  • die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in den USA.

Vor rund zwei Wochen haben geschätzte 1.000 (die Zahlenangaben variieren je nach Quelle sehr stark) Wall Street Kritiker in einem kleinen Park zwischen Wall Street und World Trade Center ihre Zelte aufgeschlagen und campieren seitdem dort.

Erst am vergangenen Samstag rückte diese Protestbewegung erstmals in den Fokus unserer Medien, als bei der Besetzung der Brooklyn Bridge mehr als 700 Demonstranten von der New Yorker Polizei festgenommen wurden. Die Aktivisten ließen sich von den Massenverhaftungen nicht beeindrucken: Am Sonntag protestierten erneut etwa 800 Menschen. Am heutigen Montag konzentrieren sich die Proteste auf das Gebiet rund um das New Yorker Rathaus.

Prominente solidarisieren sich

Inzwischen zeigen US-Prominente offen ihre Solidarität mit den Protestierenden. So besuchte die US-Schauspielerin Susan Sarandon (unter anderem bekannt aus dem Film „Wall Street“) die Demonstranten und kritisierte „übertrieben hohe Boni für Banker in einer Zeit, in der viele Menschen durch die Finanzkrise ihr Geld verloren haben.“ Ihr gleich taten es die Schauspielerin Roseanne Barr sowie Michael Moore, der ebenfalls zu den Demonstranten in der Liberty Street gepilgert war. „Ich bin so beeindruckt von dem, was ihr hier tut“, sagte er in einer nächtlichen Ansprache. Und weiter: „46 Millionen Menschen leben in den USA in Armut. Das ist ein absolutes Verbrechen, es ist unmoralisch.“

 

Medien ignorieren, Prominente twittern

Auffällig war, dass die amerikanischen Medien die Proteste zunächst weitgehend ignoriert hatten. Die „New York Times“ machte sich noch vor einer Woche in dürren Worten über die „luftdünne Bewegung“ lustig und verlor ansonsten viele Tage lang kein Wort zu den Demonstranten in der Nähe der Wall Street.

Auch in Deutschland berichten Medien, wie Spiegel Online auf Nebenplätzen in einem eher verniedlichenden Tonfall über die seit zwei Wochen andauernden Demonstrationen in New York.

Doch inzwischen fahren immer mehr Fernsehsender ihre Übertragungswagen zum Ort des Geschehens. TV-Größen wie Jon Stewart oder Keith Olbermann berichten aus dem Lager der Aktivisten. Neben den erwähnten Schauspielern besuchten auch der Bürgerrechtler Cornel West und Hip-Hop-Unternehmer Russell Simmons die Aktivisten und sorgen dafür, dass immer mehr Menschen auf ihre Kritik aufmerksam werden.

Schauspieler Alec Baldwin verbreitet seine Unterstützung via Twitter. Nicholas Kristof, Kolumnist der New York Times, der sonst über die Demonstrationen in Ägypten oder Syrien berichtet, fühlt sich beim Besuch im New Yorker Finanzdistrikt an die jugendlichen Protestler vom Tahrir-Platz in Kairo erinnert. Die Teilnehmer beider Protestbewegungen seien „entfremdete, junge Menschen“ voller jugendlicher Frustration über das politische System und organisieren sich über soziale Netzwerke, so der Pulitzer-Preisträger in seiner Kolumne.

Joseph Stiglitz sorgt für Aufmerksamkeit

Die bisher größte Bedeutung für die „Occupy Wall Street“-Bewegung wird jedoch dem Besuch des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph Stiglitz beigemessen. Er sprach am Sonntag auf dem Platz zwischen Wall Street und World Trade Center von einem Krieg gegen die Mittelklasse des Landes. Er ermutigte die US-Bürger, mehr Druck auf die Abgeordneten auszuüben und fordert unter anderem höhere Steuern für die Wohlhabenden des Landes.

Inzwischen haben sich die Protestaktionen auf andere US-Städte ausgeweitet. Auch in Boston, Los Angeles und Chicago versammelten sich mehrere hundert Menschen zu Protestveranstaltungen.

Es scheint sehr schwer zu beurteilen, wie ernst diese Proteste tatsächlich zu nehmen sind. Handelt es sich hier um einen versprengten Haufen „Spinner“, die genauso schnell wieder auseinandergehen werden, wie sie zusammengekommen sind? Oder ist dies der Beginn einer Welle von Bürgerprotesten, wie sie z.B. ein Gerald Celente bis spätestens 2012 prognostiziert hat? Wieso spricht die Öffentlichkeit nur von „wenigen hundert“ Protestierenden und dann werden auf der Brooklyn Bridge auf einen Schlag 700 Menschen festgenommen?

Machen Sie sich ein eigenes Bild über die Situation in New York

Unter folgendem Link finden Sie einen Live Stream direkt von der Protestbewegung: http://www.livestream.com/globalrevolution

5 Gedanken zu “New Yorker Bürgerproteste weiten sich aus. Prominente unterstützen.

  1. ich finde es beängstigend, wie eine unkritische masse rund um einen michael moore steht und jeden einzelnen satz von ihm wiederholt. was soll das? wird hier der eine führer gegen einen anderen ausgetauscht? die demonstranten sollten lieber besser nachdenken und nicht einfach etwas vorgekautes nachplappern!

  2. Lieber Predator,

    vielen Dank für Ihren Kommentar.

    Ich gebe zu, dass die Szenerie mit Michael Moore auf den ersten Blick etwas befremdlich wirken kann. Aber ich kann Sie beruhigen. Der Grund für das Nachsprechen eines jeden Satzes war folgender:

    Da es an der Liberty Street verboten ist, ein Megafon zu benutzen, wurde jeder seiner Sätze von den Demonstranten, die sich um ihn versammelt hatten, in Sprechchören wiederholt.

    Schöne Grüße und weiterhin viel interessanten Lesestoff wünscht

    Waldemar Meyer

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